.… a bude hur«, It gonna get worse (Forum)

Regie: Petr Nikolaev, nach dem gleichnamigen Roman von Jan Pelc
Tschechische Republik
84 Min.
OmE

Bewertung:Tschechischer Generationenfilm über die Hippie-Jugend in der CSSR der 70’er Jahre. Recht konventionelles Samstagabend-Popcorn-Kino für die reifere Jugend mit interessantem Verleihkonzept.
Der Verleih beabsichtigt keine konventionelle Verwertung via Kino/ Fernsehen/ DVD.

Der Hippie Olin ist gerade aus der psychiatrischen Anstalt entlassen worden, in die er eingeliefert wurde, weil er sich die Pulsadern aufgeschnitten hat, um dem Wehrdienst zu entgehen. Er wird schnell Schlüsselfigur einer Gruppe von jugendlichen Underdogs in der CSSR der 70’er Jahre, also inmitten des politischen Backlash nach dem Prager Frühling. Die Gruppe orientiert sich an aus dem Westen bekannten Vorbildern: Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Aber im kommunistischen Polizeistaat gibt es keine Subkultur.

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Schon bald verschärfen sich die Konflikte zwischen den nach einem freien Leben gierenden Jugendlichen und den Staatskräften. Als es bei einer Razzia zum Gewaltausbruch kommt, wird die Gruppe zerschlagen. Olin gelingt als einzigem die Flucht in den Westen.

Regisseur Nikolaev hat den Film ausschließlich mit Laiendarstellern realisiert, um den Film authentischer wirken zu lassen. Der Versuch ist gelungen. Die Verfilmung eines tschechischen Bestsellers ist rundum gelungenes PopCorn-Kino mit einer interessanten Geschichte, sympathischen Figuren und stimmungsvoller Musik. Als filmisches Vorbild eines Generationenfilms nennt Nikolaev „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, was mich zunächst überraschte, aber dann doch passt.

Etwas verwirrt hat mich der Film aber schon. Was hat der denn im experimentell-avantgardistisch ausgelegten Forum zu suchen? Wäre das hier nicht eher was fürs Panorama als kleinem Wettbewerb, so mainstreamig kommt dieser Film daher. Warum der Film dann doch ins Forum passt, erklärt ein Blick ins Beiblatt mit einem Interview mit Nikolaev. „.… a bude hůř“ ist nicht allein ein Film, für die Filmmusik wurde eine eigene Band A Bude Hůř gegründet. Da es ein Film über Aussteiger ist, schien es dem Verleih falsch, den Film kommerziell auszuschlachten. Der Film würde, so Nikolaev, viel von seiner Botschaft einbüßen. Es wird deshalb, zumindest in der Tschechischen Republik, keine Vorführungen im Kino oder Fernsehen und auch keine DVD-Fassung geben. Geplant ist die Vorführung im Rahmen von Kunstevents zusammen mit Konzerten der Band A Bude Hůř in Clubs, Kneipen und auf Musikfestivals. Vielleicht war ich in einer der einzigen vier Kinovorführungen. Ein Filmproduzent steigt aus.

Wenn also der Club Deiner Wahl demnächst eine tschechische .… a bude hůř-Nacht anbieten sollte, nimm noch etwas Gras mit.

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