Berlinale 2009 — Vorschau — Forum

Die größte Neuerung zuerst: Das Forum 2009 stellt dieses Jahr keinen verkannten japanischen Regisseur vor.  Das ist sehr schade, gehörten die kleinen Mini-Retros vollkommen unbekannter japanischer Meisterregisseure doch seit einigen Jahren zu den Highlights jeder Berlinale.  Als Ersatz hat die Forums-Leitung dafür einen kanadisch-österreichischen Underground-Regisseur mit dem tollen Namen John Cook ausgegraben. Der Kanadier Cook lebte und filmte die meiste Zeit seines Lebens in Wien. Im Forum werden seine beiden Filme  Langsamer Sommer (1976) und Schwitzkasten (1978) in frisch restaurierten Fassungen gezeigt. Schwitzkasten lief bereits 1979 im Forum.

Ein weiteres Highlight verspricht die Wiederaufführung des Films Araya! von 1959 zu werden. Der venezolanisch-französische Film gewann 1959 gemeinsam mit Alain Resnais‹ Hiroshima mon amour die Filmfestspiele in Cannes. Auch Araya! wird in einer restaurierten Fassung gezeigt.

Erfahrungsgemäß schnell zugreifen muss man bei den deutschen Filmen, die meistens ausverkauft sind. Ulrike Ottinger ist ja fast schon so etwas wie eine Institution des Forums. Zuletzt war sie 2007 mit Prater vertreten.  Dieses Jahr zeigt sie mit dem Film Die koreanische Hochzeitstruhe eine Doku über die Hochzeitsriten Südkoreas. Vom jungen Regisseur Sebastian Schipper wird es mit Mitte Ende August eine moderne Adaption von Goethes Wahlverwandtschaften geben. Und Harun Farucki zeigt eine Doku über die Herstellung von Ziegeln weltweit: Zum Vergleich.

Außerdem läuft als Special Screening  Die wundersame Welt der Waschkraft von Hans-Christian Schmidt, dessen letzter Spielfilm Requiem unter anderen Auszeichnungen  den Silbernen Bären und den Bundesfilmpreis 2006 bekam. Die wundersame Welt der Waschkraft verfolgt den Weg der Wäsche aus polnischen Wäschereien in die Edelhotels der deutschen Hauptstadt.

Mit Spannung erwartet wird auch der neue Film von Bradley Rust Gray. Sein Film Salt gewann 2003 den Caligari-Filmpreis. Exploding Girl zeigt eine Liebesgeschichte, in der die Studentin Ivy nach der Trennung von ihrem Freund Greg ihre wahre Liebe findet — ist das schön!  Auch der russische Regisseur Boris Khlebnikov hat bereits 2004 mit Koktebel einen Forumsbeitrag gehabt, der es damals sogar in die Kinos geschafft hat. Jetzt will er mit Help Gone Mad an den damaligen Publikumserfolg anknüpfen, einem Film, in dem Moskau immer mehr zur Kulisse einer Groteske wird.

Außerdem gibt es 2009 mit dem japanischen Beitrag Love Exposure, einem Drama um Katholizismus, japanische Schulmädchen-Erotik, Kindesmissbrauch und Fetischismus sowie dem thailändischen Dokumentarfilm Citizen Juling über den tödlichen Konflikt zwischen Buddhisten im Norden und Moslems im Süden des Landes  — wieder zwei Filme, die hart an der Vier-Stunden-Grenze vorbeischrammen. Love Exposure fehlen bei 237′ nur drei Minuten, Citizen Juling mit 222′ etwas mehr. Auch noch dicht dran liegt mit 215′ der chinesische Beitrag Dr. Ma’s Country Clinic, ein ruhiger Dokumentarfilm über einen traditionellen chinesischen Landarzt.  Erfahrungsgemäß sind die Forums-Langfilme herausragende Filmereignisse.

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