FILMKRITIK: Bran Nue Dae — Sing, Aborigine, Sing!

Regie: Rachel Perkins
Australien 2009
88 Min OV
Mo,15.02., 9:00h, BabylonSo, 21.02., 16:30 h, CinemaxX 3

 „I am happyyyy, to beeeeeeee an Aborigineeee…. (Foto: Berlinale 2010)

Eigentlich wollte ich über diesen Film gar nichts schreiben, weil er nur eine dumme Klamotte ist. Aber als ich die Story gerade mündlich erzählt habe, klang sie so abstrus und trashig, dass mein Zuhörer sich direkt angeregt fühlte, BRAN NUE DAE zu sehen. Ich kann ihn zwar absolut nicht empfehlen – aber lest und entscheidet selbst

Ein Aborigine-Junge ist in den Ferien bei seiner Mutter, die möchte, dass er ein Priester wird. Dafür gibt es eine Priesterschule in einem anderen Ort. Aber nun sind Ferien, wie schon geschrieben, und er verliebt sich in ein Aborigine-Mädchen, das im Kirchenchor sehr hübsch singt. Problem! Enthaltsamkeit und so! Es löst sich aber zunächst von selbst auf, denn es kommt ein Weißer Elvis- Junge daher, der dem Mädchen anbietet, in seiner Band Karriere zu machen. Aborigine-Junge ist wieder allein.
Ferien vorbei. Junge muss zurück in die Priesterschule. Der weiße Oberpriester hält große Stücke auf ihn. Er soll einfach nur beten und an Gott glauben usw. Nachts wird der Junge überredet, Schokolade und Limo aus des Priesters Kühlschrank zu klauen. Sünde! Der weiße Oberpriester ist enttäuscht und will den Jungen züchtigen. Doch dann singen alle. BRAN NUE DAE ist eine Musical-Komödie a la dem in den USA äußerst erfolgreichen HIGH SCHOOL MUSICAL 1,2 und 3. Sie singen, dass sie froh sind, Aborigines zu sein. Man kann von diesem Genre sehr, sehr viel lernen: Wenn man in einem Konflikt steckt, z. B. seinen Job verliert, stellt man sich einfach vors Arbeitsamt und singt.
Doch so richtig scheint dieses Ich-singe-meine-Sorgen-weg nicht geglückt zu sein – der Junge haut ab. In eine  große Stadt. Doch dort fühlt er sich fremd. Er trifft auf Aborigine-Penner, die saufen. (Noch nicht wegklicken, das Abstruse kommt gleich!) Einer der Penner, er kann auch hübsch singen – überhaupt singen alle wie gottbegnadet – verspricht ihm, ihn zurück ins Heimatdorf zu bringen. Doch sein Lachen verheißt nichts Gutes. Vor allem reißt er sich erst einmal das Geld des Jungen unter den Nagel, um am nächsten Morgen sein flüssiges Frühstück zu kippen. Der Junge ist sauer und will sich auf eigene Faust durchschlagen. Der Penner, ein richtiger Pfiffikus, wirft sich aber schnell vor einen heranfahrendem Hippie-Bus. Die Hippie-Frau ist natürlich entsetzt, einen „Eingeborenen“ verletzt zu haben. Sie will ihm jeden Wunsch erfüllen und nun mochte der Penner, zusammen mit dem Jungen, ins Dorf gebracht werden. Clever!

Im Bus singen wieder alle zusammen. Alle? Nein, der deutsche Hippie-Mann hat keine Lust so weit zu fahren und will die beiden Ureinwohner loswerden. Doch die Hippie-Frau hält das für politisch vollkommen indiskutabel. Der Hippie-Mann bockt und kann sich schließlich durchsetzen. Sie fahren davon – doch der Pfiffikus-Penner beschwört einen Zauberknochen, der den Keilriemen des Hippie-Vans zerstört. Jetzt sitzen alle im australischen Busch gefangen. Dann kommt ein Wagen mit Fußballspielern vorbei und der Junge nutzt die Gelegenheit und springt auf den Wagen. Die anderen bleiben zurück. Wieder eine Gelegenheit für eine abstruse Gesangseinlage mit Parallelmontage: Die Fußballspieler färben sich die Gesichter Weiß und singen auf dem Wagen Eingeborenenlieder und die Gefangenen im Busch folgen dem Pfiffikus-Penner, der eine Klapperschlange tötet und sie als neuen Keilriemen nutzt. In der darauffolgenden Szene verschwinden die Fußballspieler in die nächste Kneipe und der Junge verliert unter einem Kondom-Baum (= ein kunstvoll ausgeleuchteter Baum mit lauter benutzten aufgefangenen Kondomen) seine Unschuld mit einer gealterten besoffenen Aborigine-Frau. Dann kommt der Mann dieser Frau und will den Jungen verprügeln. Aber die Hippie-Freunde und der Pfiffikus retten ihn.

Dann sitzen wieder alle im Hippie-Van, kiffen und singen, bis sich herausstellt, dass sich hinten die besoffene Aborigine-Frau versteckt hat, um ihren Rausch auszuschlafen. Nun kommen die Cops, die sie alle verhaften und auf der Wache stellt sich heraus, dass der deutsche Hippie- Mann der Sohn des Oberpriesters ist. Der Junge will sich davonschleichen, aber das misslingt. Sie werden alle verhaftet und in Käfige eingesperrt. In der Nacht träumt der Jungen von den Aborigine-Urahnen, die zu ihm sprechen: Es werde alles gut. Und tatsächlich: Am nächsten Tag kommen sie irgendwie frei und gelangen in das Heimatdorf des Jungen. Dort singt inzwischen seine heiße Liebe in der Band des Weißen Elvis. Sie will ihn zuerst nicht sprechen, doch als er ihr sagt, dass er sie liebt, liebt sie ihn auch. Was für ein Wunder, aber die Urahnen haben das ja vorausgesagt! Es kommt auch zu keinem Clinch mit dem Weißen Elvis, da der mit der älteren Sauffrau vorliebnimmt. Jetzt bleibt nur noch das Problem mit der Mutter, die den Jungen ja im Posten eines Priesters sieht (Ausgangskonflikt). Doch das hat sich auch in wenigen Minuten erledigt: Die Betgruppe des Dorfes, der sich auch die Mutter angeschlossen hat, ist grad dabei neue Schäfchen einzusammeln und am Strand sollen die Sünder hervortreten. Der Junge und seine neue Geliebte beobachten diese Zeremonie aus einem Versteck. Die Mutter des Jungen tritt hervor und ruft: „Ich habe gesündigt und mit Männern geschlafen.“ Es stellt sich heraus, dass sie erstens mit dem Oberpriester geschlafen hat – der der Truppe im übrigen gefolgt ist – und in diesem Moment aus den Dünen hervortritt. Der deutsche Hippie-Mann ruft „Mutti“. Zweitens hat sie aber noch mit einem anderen Mann geschlafen, nämlich mit dem Pfiffikus. Der Pfiffikus ist also der Papa vom Jungen. Der Hippie-Mann ist der Halbbruder des Jungen. Die Mutter ist die Mutter von Beiden. Also sind alle irgendwo Aborigines (bis auf die Hippie-Frau, aber da genügt auch die spirituelle Zugehörigkeit) und sie können alle vereint singen und Abendbrotessen. Der Film ist einfach so bekloppt und dämlich, dass er diesen Text verdient hat. Er verdient eine Auszeichnung als schlechtester Film der Berlinale. Kann er diese Stellung verteidigen?

 

Über kleo

Blogge über Filme.
Dieser Beitrag wurde unter Berlinale 2010, Generation abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu FILMKRITIK: Bran Nue Dae — Sing, Aborigine, Sing!

  1. Pingback: Meine Berlinale 2010 « das blog zum hof

  2. Horst sagt:

    Auch ich habe den Film bei der Berlinale gesehen. Als Kontrast zu den anderen traurigen und sentimentalen Filmen war ich von Bran Nue Dae begeistert. Die Musik-CD habe ich gleich in den USA bestellt und auch schon erhalten. Übrigens habe ich Tickets zum Film an Freunde geschenkt, die anschließend meiner Meinung waren: Eine kurzweilige Komödie, die man sich ansehen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.