Day Two & Three

Am Freitagabend treffen wir uns aus Mangel an echten Alternativen in der schrecklichen und vollkommen überfüllten Billy-Wilder-Bar. Alle nur auf »einen Sprung«. Susan ist von ihrem letzten Film begeistert, Holger von seinem Bunuel weniger. Um 22.30 Uhr erkunden wir zusammen mit Claudia wie ein politischer Porno aussieht und stellen schnell fest, dass »Porno« reichlich übertrieben ist. Wakamatsu zeigt während des Koitus entweder die Füße oder das Gesicht. Oder ein Stalinplakat. Aber dazu wird sich Holger hier noch auslassen.
Am Samstag werde ich früh wach und stelle mich schon um 9 Uhr wegen Karten an. Nach einer halben Stunde fällt mir ein, dass die Karten für die Wettbewerbswiederholungen für TROPA DE ELITA im International ja schon am Freitag verkauft wurden. Folgerichtig sind sie auch schon weg. Schei* Am Nachmittag sehe ich im Colosseum einen Perspektive-Film. Als ich zurückkomme finde ich in meinem Briefkasten eine merkwürdige Werbung für eine Matratzen- und Polsterreinigungsfirma: »Niemand schläft alleine!« Neben dem Spruch laufen stark vergrößerte Milben über das Papier. Darf man werben, indem man Angst verbreitet?
Am Abend geh ich mit Claudia und Julia in die Volksbühne zu den beiden Stummfilmen UN CHIEN ANDALOU (Bunuel) und LA CHUTE DE LA MAISON USHER (Der Untergang des Hauses Usher von Jean Epstein). Während der erste Film wirklich genial ist, insbesondere mit der musikalischen Begleitung und der astreinen Kopie, wirkt der zweite Film wie abgefilmtes Theater ohne Dialoge mit vielen, vielen wehenden Vorhängen. Interessant wird er nur an der Stelle, wo Epstein endlich mal mit schnellen Schnitten anfängt — in der Beerdigungsszene der vermeintlich toten Madeline. Diese Stelle ist sehr expressiv.
Danach trinken wir noch ein Bier in einer verpeilten Hostel. Kurz nach 23 Uhr falle ich ins Bett.

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