Deliver Us From Evil – Erlöse uns vom Bösen

Regie: Ole Bornedal
Dänemark/Schweden 2009
93 Min.

Hat sich im Haus verschanzt: Johannes aus dem bitterbösen DELIVER US FROM EVIL (FFF 09)

Der Beginn, wenn die Protagonisten vorgestellt werden, erinnert ein bisschen an Leones »The Good, the Bad and the Ugly«: das glückliche und beruflich erfolgreiche Paar Johannes und Pernille mit ihren beiden aufgeweckten Kindern; der cholerisch-poltrige Looser Lars, der sich immer und von allem – am meisten vom Leben selbst – betrogen fühlt, der arme, etwas merkwürdige Außenseiter Alain vom Balkan und die herzensgute Christin Anna. Und dann fährt Lars Anna auch noch über den Haufen. Die Karten scheinen hier schon von vorneherein verteilt – wer der Böse ist und wer der Gute.

Als Lars einen Schuldigen präsentiert, nämlich den »Neger-Alain«, entwickelt sich die nette Dorfgemeinschaft in Bornedals extrem düsteren, farbgebleichtem Film, schnell zu einem Lynch-Mob. Der gute Johannes – die Analogie zu seinem Namenspatron aus der Passionsgeschichte ist sicherlich nicht zufällig – gewährt Alain Schutz in seinem Haus, doch die rasende Dorfgemeinschaft steht schon vor der Tür. Als Pernille, mit den weinenden Kindern im Arm, Johannes bittet, Alain rauszuschicken, geht eine merkwürdige Wandlung in ihm vor.

DELIVER US FROM EVIL ist vielschichtig. Der Begriff des biblischen Bösen – nicht nur der Titel verweist darauf – sondern das Vater-Unser »[…] Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen […]« wird im Film auch komplett zitiert. Die anfänglichen, scheinbar eindeutigen Zuweisungen von Gut-Menschen und Bösewichtern werden am Ende infrage gestellt, als Johannes und ja auch Pernille, die sich aus allem raushalten wollte, zu rabiaten Mitteln (Splatterelemente) greifen, um sich von ihren Peinigern zu befreien.

Pernille wird zu Beginn von den Kindern gefragt wird, warum es böse Menschen gibt und sie antwortet, es gäbe keine bösen Menschen, sie zeigen nur, dass sie geliebt werden wollen. Diese Verflachung wird ad absurdum geführt. Dass das biblische Gute in einem Kollektiv, das selbst schon rasender Pöbel ist, kaum zu händeln ist, wird schon zwischen Johannes und den Dorfprolls deutlich. Als sie ihn als »Mörderfreund« beschimpfen, ranzt Johannes »biersaufende Sozialschmarotzer« zurück und gießt damit ordentlich Öl ins Feuer. Neiden ihm die Sozialhilfeempfänger seinen Erfolg, sein Haus, seine Familie schon lange und warten nur auf eine Gelegenheit, zuzuschlagen.

Insofern zeigt Ole Bornedal wie extrem schwierig die Forderung »Deliver us from Evil – Erlöse uns vom Bösen«, also halte uns von bösen Handlungen ab, einzuhalten ist. Dazu braucht es nicht mal einen aufrührerischen, mordenden Mob. Es genügt schon, dass wir in einer üblen Welt, in der nicht Friede, Freude, Eierkuchen herrscht, leben.

Hinzufügung: Referenzen zu Peckinpahs »Straw Dogs« sind offensichtlich. Kannte ich beim Schreiben des Artikels noch nicht.

Über kleo

Blogge über Filme.
Dieser Beitrag wurde unter FFF 2009 abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.