Der rote Elvis (Panorama)

Regie: Leopold Grün
Deutschland 2007
90 Minuten

Deutscher Filmstart: 02.08.07

der-rote-elvis.jpg

Bewertung: Ein sehenswerter Film über den Idealisten Dean Reed, der an persönlichen Widersprüchen und an den Widersprüchen des kalten Kriegs zerbrach.
Im ehemaligen Ostblock ist der Name Dean Reed wohl jedem, der der 70er Generation angehört irgendwie noch ein Begriff: Das war doch dieser singende Cowboy aus den USA, einer von den ganz wenigen, die nicht in die DDR aus-, sondern eingereist sind, der, der dann tot im See lag. Das sorgte damals, 1986 — drei Jahre vor dem Mauerfall — für wilde Mordspekulationen von Stasi bis zur CIA. Der Regisseur Leopald Grün nimmt den Tod Reeds zum Ausgangspunkt, um sein Leben näher zu untersuchen. Dafür hat er eine ungeheure Menge an Dokumentaraufnahmen zusammengetragen, auch privates Material.
Mitte 20 reiste Reed, der bis dahin mit seinen Platten in den USA nur mittelmäßigen Erfolg hatte, nach Lateinamerika, wo seine Musik begeistert gefeiert wurde. Vor allem in Chile. Dort, wo die Klassenunterschiede am größten sind, entdeckte er auch sein Herz für die Unterdrückten. Er spielt in Italowestern und wird als Sänger von den Frauen umjubelt. Grün befragte Weggefährten Reeds, darunter Isabell Allende, dessen Mann er bei den Wahlen unterstützte. Sie vermitteln das Bild eines echten Idealisten und Stars. Nach dem Militärputsch ist die Zeit für ihn dort vorbei und er widmet sich der alten Welt, von der er sich nun feiern lassen kann. 1972/73 kommt er in die DDR und wird begeistert aufgenommen.
Reed war eine zerissene Künstlerseele, die, wie alle in dieser Branche, nach Anerkennung und Herausforderungen suchte und daran scheiterte. Die DDR-Führung sah Reed immer nur als den guten US-Amerikaner, der den viel »besseren« Staat zu seiner Wahlheimat gemacht hat. Der »rote Elvis« war ein Mann, der auf der einen Seite seiner zweiten Frau Renate Blume-Reed zum ersten Hochzeitstag eine gemeinsame Grabstelle schenkte — ein zugegeben recht makaberes Geschenk, womit er aber auch zum Ausdruck brachte, mit dieser Frau alt werden zu wollen. Auf der anderen Seite hatte er aber eine Geliebte, die er sogar bei ehelichen Problemen zu Rate zog.
Politisch war Reed ein absoluter Idealist mit einem amerikanischen Freiheitsverständnis, im ganz ursprünglichen Sinne, der aber letztendlich am real existierenden Sozialismus, aber auch an der gesamten globalen politischen Situation in den 80ern scheiterte. Die weltweit sozialistisch beeinflusste Aufbruchsstimmung der 60er und 70er in der dritten Welt war vorbei. Flower Power in den USA und die 68er-Bewegung in der BRD gab es nicht mehr. Diese Veränderungen spürte er persönlich vor allem Mitte der 80er, als er versuchte, in die USA zurückzukehren und ihm eine Welle des Haßes entgegenschlug. Man sah in dort als einen Verräter. Er fühlte sich in die Enge getrieben, kehrte in die DDR zurück, in der er gar nicht mehr leben wollte, weil sie ihn nicht mehr wollte.
Letztendlich zerbrach hier ein Mann zwischen den Mühlsteinen des kalten Krieges und an seinem von Zweifeln geplagten Ego.

Dieser Beitrag wurde unter Berlinale 2007, Panorama abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.