Eden Lake (FFF) – Spirale der Gewalt

Regie: James Watkins
Großbritannien 2008
91 Min.

Nur Opfer? Jenny (KellyReilly) als Final Girl in EDEN LAKE.

Eigentlich sollte es ein romantisches Verlobungswochenende am einsamen Eden Lake werden. Doch nach einer Auseinandersetzung mit »Krawalljugendlichen«, gerät das Pärchen in einen Strudel der Gewalt. Das 22. Fantasy Filmfest eröffnet mit einer Weltpremiere. Der intelligente Horrorthriller, das Regiedebüt des Briten James Watkins, kommentiert die Jugendgewaltwelle in Großbritannien.

Recht vergnügt holt Steve seine Freundin Jenny von der Arbeit ab. Die Kindergärtnerin und ihr Freund starten in ein lang geplantes Campingwochenende aufs Land. Doch das Unheil kündigt sich schon im Autoradio an. Dort wird über Jugendkriminalität diskutiert. Kurz darauf brettern Kids mit ihren Mountainbikes über die rote Ampel Steve direkt vor die Kühlerhaube. Am Eden Lake angekommen, findet das Pärchen eine Lücke im Zaun. Die Gegend um den See ist weiträumig abgesperrt. Ein Hinweisschild, auf dessen Rückseite jemand die Worte »Fuck off, yuppie cunts!« gesprüht hat, kündigt hier Wohnsiedlungen für Reiche an. Im Wald treffen sie auf einen eigenbrötlerischen Jungen. Doch der will nicht mit ihnen reden, weil ihm seine Mutter verboten hat, mit Fremden zu sprechen. Als sie endlich am See angelangt sind, scheinen sie einen romantischen Ort gefunden zu haben. Doch als Jenny aus ihrem Nickerchen erwacht, starrt sie direkt in die Augen eines hässlichen Kampfhundes. Das »possierliche« Tierchen gehört Jugendlichen, die bald darauf den ganzen See beschallen und eine Atmosphäre des Unbehagens verbreiten.

EDEN LAKE arbeitet konsequent mit realistischem Background. Die folgenden Auseinandersetzungen zwischen dem Pärchen und den rotzfrechen Youngstern, die sich bis zu gewalttätigen Auseinandersetzungen hochschaukeln, sind plausibel. Den Suspense zieht der Film hauptsächlich aus dem Thrilleffekt Folger-und-Verfolgte. Watkins bleibt dabei, wie auch in den blutigen Szenen, sehr subtil. Er verzichtet auf krachige Effekte zugunsten intelligenter Verweise auf soziale Missstände. Besonders deutlich wird das anhand der ambivalenten Figurenskizzierung, die keineswegs so eindeutig ist, wie sie zu Beginn angedeutet wird.

ACHTUNG SPOILER!

Besonders trifft das auf Jenny zu, die mit ansehen muss, wie ihr Freund zu Tode gequält wird. Zunächst scheint sie ganz dem taffen Final Girl zu entsprechen, das sich animalisch und clever durch ein Martyrium kämpfen muss. Doch da Watkins die jugendlichen Täter nicht als übernatürlich schlecht und verdorben skizziert, also auch hier der realistischen Darstellungsweise verpflichtet bleibt, erscheint auch Jenny zunehmend in einem anderen Licht: Der Anführer der Clique ist der eigentliche Mörder. Er zwingt die anderen teilweise unter Gewaltandrohung zum Mitmachen. Als sich einer unbemerkt von der Gruppe entfernen kann, trifft er die im Wald umherirrende Jenny. Doch das vermeintliche Opfer, die Kindergärtnerin vom Vortag, hat sich inzwischen zur rasenden Bestie gewandelt (auch optisch). Eigentlich grundlos sticht sie auf den ihr körperlich unterlegenen Jungen ein, der sie überhaupt nicht angreift, ihr möglicherweise sogar helfen will. Später, nach dem sie sich ein Auto erobern konnte, fährt sie noch eine weitere Jugendliche über den Haufen. (Interessant ist übrigens, dass das Premierenpublikum an diesen Stellen geklatscht hat. Scheinbar wurde der Film nur als reiner Horrorfilm konsumiert.)

SPOILERENDE

Watkins beschreibt die Gewaltwelle — die in den Medien sehr präsenten sich ständig wiederholenden Messerattacken — als einen aussichtslosen Kreislauf. Jeder ist mal abwechselnd Opfer und Täter. Auch die Ursachen für die jugendliche Verrohung benennt der Regisseur: Gewalt in der Familie – richtig gruselig ist der Vater des Haupttäters – und die sozialen Ungerechtigkeiten. Vehement kritisiert wird die Privatisierung von Natur, die in Großbritannien schon lange ein großes Problem darstellt. Der meisten Wälder, Felder, Seen und landwirtschaftlichen Nutzflächen sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, da sich Natur in Großbritannien zum Großteil im Privatbesitz befindet.

Nachdem das Fantasy Filmfest im letzten Jahr mit der Splatterkomödie BLACK SHEEP (Jonathan King, Neuseeland, 2007) eröffnete, ist dies ein etwas ernsterer Auftakt.

FFF Dortmund (20.8., CINESTAR 9, 20.00 h); FFF Köln (20.8., CINEDOM 4, 20.00 h)
FFF Frankfurt (27.8., METROPOLIS 6, 20.00 h); FFF Nürnberg (27.8., CINECITTA‹ 3, 20.00 h)
FFF Stuttgart (3.9., METROPOL 1, 20.00 h; METROPOL 2, 22.15 h); FFF München (3.9., CINEMA, 20.15 h; 22.30h)

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