Goya — oder der arge Weg der Erkenntnis

Regie: Konrad Wolf
DDR/UDSSR 1969–71
136 Min.

goya

Einer der kürzeren 70mm-Filme ist Konrad Wolfs GOYA. Wie alle anderen Retro-Filme wird GOYA im Kino International gezeigt, das 1963 als drittes 70mm-Kino der DDR eröffnete. In der 8. Reihe genießt man besondere Beinfreiheit — früher waren hier Plätze für die Hintern der Partei- und Staatsführung reserviert; angeblich hat man dort die optimale Sicht.

In dem von politischen Unruhen erschütterten Spanien, am Vorabend der Französischen Revolution, möchte sich der Maler Francisco de Goya (Donatas Banionis) als Hofmaler verdingen. Sein Aufstieg verläuft jedoch nicht reibungslos und ist durch verschiedene Auseinandersetzungen geprägt, z.B. mit dem Akademiemitglied Jovellanos (Ernst Busch). Goya beginnt eine Affäre mit der jungen, unkonventionellen Herzögin Alba.

Eines Tages jedoch hört Goya in den nächtlichen Madrider Straßen die wunderschönen Gesänge von Maria, die zu dem einfachen und unterdrückten Volk singt. Als sie von der heiligen Inquisition zum Tode verurteilt wird, beginnt des Malers Herz für das Volk zu schlagen und der Weg der Erkenntnis fängt an. Konsequentes Handeln bedeutet nun, sich von Alba, dem Thron und seiner Tätigkeit als Hofmaler loszusagen.

Konrad Wolf folgt dem Roman von Lion Feuchtwanger »Goya — oder der arge Weg der Erkenntnis«, in dem Goyas Entwicklung als Maler eng mit den politischen Prozessen verbunden ist. Die spanische Aristokratie wird satirisch verspottet — die uralte Hofdame von Alba, die schon von Natur wie eine Karikatur aussieht, kann sich immer eines Lachers gewiss sein und Rolf Hoppe als Karl IV. benimmt sich wie ein Proll und verwickelt Goya in eine alberne Balgerei im königlichen Schlossgarten, bei der ihm die Perücke vom Kopf fällt.

GOYA ist nicht der »typische« Monumentalfilm im 70mm-Format: Wir sehen zwar eine Prozession und Verurteilungen vor der Gericht der Heiligen Inquisition — das sind jedoch die einzigen Massenszenen, in dem 136-minütigem Werk. Auch die Naturaufnahmen, für die das Format so prädestiniert ist, verwendet Wolf sparsam. Am Schluss — nachdem Goya die Trennung mit Alba provoziert hat, erleidet er nach Feuchtwangers Interpretation einen Zusammenbruch, der ihn taub werden lässt — reitet der angeschlagene Maler samt Maulesel und Führer nach Aragonien zu seiner Mutter durch staubige, karge Landschaften. Das Taubwerden wird bei Wolf und Feuchtwanger zur Metapher für das Bessersehen und den »Weg der Erkenntnis«: Er malt sein berühmtestes Werk »Die Erschießung der Aufständischen«, und in Druckgraphiken zeigt er Spaniens Aristokratie und die Heilige Inquistition als Dämonen.

Keine Aufführung mehr während der Berlinale.

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