Haiti Chérie: der alltägliche Hunger

Haiti Chérie
Italien 2007
Regie: Claudio Del Punta
Sektion: Kulinarisches Kino

Haiti Chérie

Der Film handelt von einem haitianischem Liebespaar, das die Armut auf eine Zuckerrohrplantage in der Dominikanischen Republik verschlagen hat. Dort herrschen albtraumhafte Zustände wie zu schlimmsten Sklavenhalterzeiten.

Die junge Frau — sie hat zu Beginn des Filmes ihr Baby verloren — will zurück nach Haiti, wo sie sich ein besseres Leben erhofft. Ihr Mann dagegen hat die Hoffnung auf ein besseres Leben aufgegeben. Erst als ein Wärter versucht, die Frau zu vergewaltigen, fliehen sie mit Hilfe zurück nach Haiti. Aber auch hier wartet nicht das Glück…

Der Regisseur greift kaum zu dramatisierenden Mitteln, er zeigt einfach nur die alltägliche Armut und Rechtlosigkeit dieser Menschen. Die Handlung wird sehr langsam, aber nicht langweilig erzählt, um dadurch die Zustände anzuklagen. Die geschilderten Verhältnisse sind eben für diesen Teil der Welt völlig normal. Als ich den Film sah, erinnerte ich mich an meinen Kubaaufenthalt vor einigen Jahren. Auch dort habe ich Armut gesehen, aber diese ist nicht zu vergleichen mit der Situation in Haiti und der Dominikanischen Republik, die dieser Film zeigt und anprangert.

Ich kann den Film uneingeschränkt empfehlen, da er eigentlich nur eine einfache Geschichte erzählt und nicht propagandistisch daher kommt.

Negativ war eigentlich nur der Rahmen, in dem der Film gezeigt wurde: Kulinarisches Kino. Was sich die Organisatoren dabei gedacht haben, in dieser Reihe einen Film über bettelarme, entrechtete hungernde Menschen zu zeigen und danach die Zuschauer »kulinarisch im Spiegelzelt bewirten« (O-Ton des Moderators) zu wollen, ist mir absolut schleierhaft. Dabei kann (sollte!) einem nur jeder Bissen im Halse stecken bleiben. Übrigens als Eröffnungsfilm für die Sektion Kulinarisches Kino lief Food Inc.. Die Geschmacklosigkeit dieser Reihe ist also kein Versehen, sondern Programm.

Dieser Beitrag wurde unter Berlinale 2009 abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.