BERLINALETAGEBUCH: Halbzeit. Das kann doch nicht wahr sein…

… denke ich, als ich mir das Schaltwerk meines Rennrads genauer ansehe. Es ist Dienstag und ich bin gerade unterwegs zu den Potse- Arcaden, als sich in der Swinemünder Straße ein herumfliegender Müllsack urplötzlich in meinem Hinterrad verfängt. Das Shimano-Ultegra-Schaltwerk ist glatt durchgebrochen. So was kann auch nur mir passieren! Ich schulter mein Rad und trage es zur Fahrradstation nach Mitte. Dort schauen sie fasziniert auf das Dilemma. Sowas hatten sie noch nicht gesehen. Ich seufze schwermütig, setze noch eins drauf und erzähle die Geschichte vom gebrochenem Leerlaufkörper.
Das beeindruckt sie aber nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Wenigstens bauen sie ein Schaltwerk aus einem nagelneuen Cube aus, so, dass ich nach 45 Minuten weiterfahren kann. Außerdem bekomme ich sogar noch meinen 20%igen Kurier-Rabatt. Ist die Sache wenigstens noch mal halbwegs glimpflich abgegangen. Statt zum Vorverkauf fahre ich nun direkt ins Haus der Kulturen der Welt. Es ist ein trauriger Generation-Hungerfilm, der zeigt wie philippinische Straßenkinder in Manila Blumen verkaufen wollen, die aber keiner will. Wenigstens kriegen sie ab und zu Fastfood geschenkt. Da der 14-Uhr-Film an der Tageskasse ausverkauft ist, fahre ich danach zu den Arcaden und hole mir im Vorverkauf Karten für die kommenden Tage. Die Wartedauer beträgt eine knappe halbe Stunde und ich bekomme alles, was ich will.
Danach schiebe ich mir eine Banane ein und fahre zum Training in die HU. Auf dem Weg zum Weidendamm fällt mir ein, dass ich noch gar nichts von meinem Freund Jens Balzer gelesen habe. Ich hole mir schnell die Berliner; er hat aber nur einen kleinen satirisch-spekulativen Artikel über den vermeintlich Wettbewerbsgewinnerfilm geschrieben. Nach über zwei Stunden Spinning schiebe ich mir wieder eine Banane ein und fahre wieder zum H. d. K. d. W. Neben mir sitzt eine Schickse, die sich feinfingerig mit ihrem Berlinaleheftchen Luft zu wedelt – die soll lieber in die Wagner-Oper gehen. Der Genre-Film ONE THE ICE wurde schon mal als Kurzfilm gezeigt, der Regisseur hatte es dabei belassen sollen. Bei meinem ersten Film am Mittwoch – wieder im H. d. K. d. W. – habe ich schon wieder Pech mit meinem Sitznachbarn. Neben mir ein Typ, der kommentiert alles und brabbelt dabei vor sich hin. Ein Glück habe ich zuvor den Sitz zu meiner rechten mit dem Rucksack blockiert, so, dass, ich mich eins weiter setzen kann. Der düstere und spannungsgeladene, schwedische APFLICKORNA (SHE MONKEYS) zeigt ein weibliches Coming to Age, aufgeladen mit Sexualität und Machtspielchen. Mal eine einfallsreiche, neue Variante dieses Genres. Nicht schlecht! Das anschließende Q & A ist allerdings mal wieder zum weglaufen. Die Regisseurin, die schlecht englisch spricht, beantwortet alle Fragen mit Gegenfragen. „Wie haben Sie sich das gedacht?“ – „Was denken Sie, wie das gedacht ist?”

 

A PAS DE LOUP (AUF LEISEN PFOTEN): ein wirklich leiser Film. (Generation)

Der darauffolgende belgisch-französische Kinderfilm A PAS DE LOUP (AUF LEISEN PFOTEN) ist herausragend. Die kleine, leise Cathy, wir hören ihre Gedanken im Voice-Over – im gesamten Film wird dafür kaum gesprochen – erteilt ihren im Vollstress stehenden Eltern, die sie gar nicht beachten, eine ordentliche Lektion. Sie läuft davon und lebt erst zusammen mit ihrem Freund Fisch, der wirklich ein kleiner Fisch ist und später mit einem Biest, das aber in Wirklichkeit ein Mischlingshund ist, im Wald. Genauso leise und zart wie der gesamte Film, ist dann das positive Ende des Films. Wirklich ein sehr, sehr gelungener Kinderfilm! Empfohlen ab 7, ich wurde ihn aber schon ab 4 bis 5 empfehlen. Es gibt eins, zwei gruselige Szenen, die sich dann aber als vollkommen harmlos herausstellen.

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