Hotel Very Welcome — Lost and Found in Asia … and Lost

Regie: Sonja Heiss
Deutschland 2007
90 Minuten
Episodenfilm über westliche Asientouristen im realistisch-dokumentarischen Stil.
Kinostart: 29.11.2007
Fünf junge Asien-Touristen aus Europa reisen aus unterschiedlichen Motiven durch Thailand und Indien. Die junge Regisseurin Sonja Heiss (HFF München) verweist dabei zwar auf die schon bekannten Klischees von Massentourismus in Thailand, Fullmoonraves und Meditationsparadiesen, jedoch nicht ohne originelle und sehr gutbeobachtete Figurenzeichnung.

»Hotel Very Welcome« besticht durch ein äußerst sorgfältig entworfenes Figurenensemble und erinnert mit seiner Art und Sensibilität ein bisschen an den Berlin-Film »Wir« (Martin Gypkens, Deutschland, 2003). Man ist ersucht, herausfinden, was die Protagonisten, die keine ganz gewöhnlichen Pauschalreisenden sind, wochenlang durch die fremden Metropolen treibt. Dabei suchen sie ganz unterschiedliche Orte auf: die zwei jungen Briten, Joshua und Adam, sind auf Funtour mit Fullmoonraves, Estacy, Alkohol und One-Night-Stands, während die deutsche Marion in einem Meditationsparadies versucht, das Glücklichsein zu erlernen. Der Ire Liam flüchtet vor seinem zukünftigen Vaterdasein mit einem Kamelführer in die Wüste und Svenja sitzt unfreiwillig in einem Hotel in Bangkok fest, weil sie ihren Anschlußflug verpasst hat. Es gelingt ihnen sehr unterschiedlich mit den fremden Menschen in Kontakt zu kommen: Während Liam damit völlig unkompliziert umgeht, bleiben Joshua und Adam eher unter sich.
Dass die Regisseurin selbst Asienerfahrung hat, merkt man diesem Film deutlich an. So zeigt sie feinfühlig den beginnenden Massentourismus in Thailand: Liam reitet durch die Wüste, in der er nicht ganz so einsam ist, wie erhofft. Und wenn die einsam rumziehende Marion, die ihre Meditationsstätte verlassen hat, weil sie dort auch nicht glücklicher war, einem indischen Jungen, der den Touristen Tee verkauft, erklären will, was Heimweh bedeutet, so zeigt Heiss deutlich die Grenzen der gegenseitigen Annäherung auf. Der Junge wird niemals erfahren, was dies bedeutet, da er sein Land vermutlich nie verlassen wird.
Symphatisch ist auch, dass die Regisseurin eine Spur von Selbstironie einfließen lässt, ohne jedoch die europäischen Asienreisenden in irgendeiner Weise zu verurteilen. Aber manchmal benehmen sie sich schon wie die Deppen, z. B. wenn sie sich falschen Shit andrehen lassen, worüber die Einheimischen nur lachen können.
»Hotel Very Welcome« wurde teils improvisiert, teil mit Drehbuch gefilmt, meist mit Handkamera. Das verleiht diesem Film eine gewisse Lockerheit, gedreht wurde mit professionellen Schauspielern und einheimischen Laiendarstellern.

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