Ich schwör’s, ich war’s nicht! — Traumatisierte Kindheit

EST PAS, JE LE JURE!
Regie: Philippe Falardeau
CA 2008
110 Min.

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Als der zehnjährige Leon von seiner Mutter verlassen wird, versucht er, damit klar zu kommen. Er randaliert im Haus der glücklichen Nachbarsfamilie, versucht sich umzubringen und schmiedet Pläne, der Mutter nachzureisen. Für die Sektion Kplus ein zu drastischer Film.

ICH SCHWÖR’S, ICH WAR´S NICHT erzählt aus der Perspektive des zehnjährigen Leon, der nicht damit klar kommt, dass ihn seine Mutter verlassen hat. Doch statt sich zurückzuziehen, lebt er sein Trauma aus: Als die nach außen hin so glückliche Nachbarfamilie in den Urlaub gefahren ist, steigt er in ihr Haus ein, durchwühlt die Wohnung, pinkelt in den Kleiderschrank und zerstört Familienfotos. Auch die gleichaltrige Lea wurde von ihrem Vater verlassen und lebt nun bei ihrem Onkel, der sie verprügelt. Erst lehnt Leon jede Freundschaft mit ihr ab (weil sie ein Mädchen ist), doch als er ihre rot-blauen Flecken sieht, erkennt er, dass auch sie »nicht normal« lebt.

M. E. werden junge Zuschauer streckenweise überfordert: Als die beiden in das Haus von Leas Onkel einbrechen, sieht Lea ein Kinderzimmer mit Spielsachen. Es symbolisiert die glückliche Kindheit und sie bricht vor einem Haufen Barbiepuppen zusammen: »Ich weiß gar nicht, wie man damit spielt?« Um mich herum, fragten sich Kinder: »Warum weint die denn jetzt?« — Dem Regisseur ging es darum, den psychischen Zusammenbruch eines Kindes zu zeigen — aber er benutzt abstrakte, symbolische Mittel, die Kinder nicht deuten können.

Insgesamt muss man sich wundern, was für Filme in der Sektion für junge Zuschauer laufen. Im letzten Jahr lief der ungarische Spielfilm »Iskas Reise«, empfohlen ab 13 (!), der das Elend in einer Wohnwagensiedlung beschreibt und in dem es um Zwangsprostitution und Verschleppung von Kindern geht. Es war auch eine Vergewaltigungsszene enthalten. Ohne jede Frage ein sehr sehenswerter Film, wie auch dieser kanadische Kinderfilm. Doch beide Filme zeigen Gewaltsszenen im realistischen Stil, das ist im Kinder- und Jugendbereich vollkommen neu und nicht unumstritten.

Leon schneidet sich mit einem Messer in die Schulter, hängt sich auf, springt kopfüber von einer Mauer und legt seine Kopf auf eine Bowling-Bahn, damit ihn eine Kugel trifft. Kann man einen schmerzhaften Prozess nicht auch auf kindgerechte Art und Weise zeigen?

Im Vorfeld hat sich Susan (Lehrerin), die mit jüngeren Schulklassen auf die Berlinale geht und schon einige Filme während der PV gesehen hat, darüber beschwert, dass viele Filme für Kinder einfach ungeeignet seien, u.a. auch der Dokumentarfilm LOS HEREDEROS (Mexiko, 2008).

Wie kann man krasse Themen Kindern filmisch nahe bringen, ohne sie zu überfordern — sicher ein komplexes Thema, dass man im filmpädagogischen Bereich diskutieren müsste.

8.2., 11.30 Uhr, CinemaxX 3
10.2., 15.30 Uhr, FT am Friedrichshain

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