Ichijiku no kao, Faces of a Fig Tree (Forum)

Dieser Baum trägt keine Früchte
Regie: Momoi Kaori
Japan 2006
OmU
D: Momoi Kaori
Drehbuch: Momoi Kaori

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Bewertung: Ein belangloser Film über die Belanglosigkeit des Lebens. Ein Film, der in einzelne Szenen zerfleddert, weil Regie und Drehbuch fehlen. Ein oberflächliches Familiendrama, das eine fehlende Geschichte mit bizarrem Witz auszugleichen versucht. Ein völlig mißglücktes Debüt.

Cubix 7 18.2. 15:30 Uhr

Schauspieler-Filme gehen meistens schief, vor allem wenn der Schauspieler/ die Schauspielerin partout meint, auch noch die Hauptrolle übernehmen zu müssen. Momoi Kaori ist eine der verdientesten und bekanntesten Schauspielerinnen Japans. Sie hat in über 50 Filmen mitgewirkt, unter anderem auch in Filmen Akira Kurosawas. Derzeit ist sie auf der Berlinale auch noch im Panorama-Beitrag „Love and Honour“ als Schauspielerin zu sehen. In Deutschland kennt man sie aus „Memoirs of a Geisha“ (Sie spielte die Mutter). Kaori lebt seit 2005 in Los Angeles und wie ich dem Infozettel des Forums entnehme, ist sie außer Schauspielerin auch noch Schmuckdesignerin, Sängerin und Schriftstellerin. Nun hat sie also ihr Debüt als Drehbuchschreiberin und Regisseurin. Es hat natürlich nicht geklappt.

Der Film erzählt die Geschichte der Familie Kadowaki, aber vielleicht ist „erzählt“ schon zuviel gesagt, denn eigentlich werden nur einzelne Episoden aus dem Leben der etwas bizarren Kleinfamilie aneinandergereiht. Im Mittelpunkt der Familie Kadowaki und des Films steht der im Titel benannte Feigenbaum im Garten, der keine Früchte trägt. Gleich in der ersten Szene sehen wir, wie die Tochter eine Digitalkamera in den Baum hängt, um mit dem Selbstauslöser ein Foto der gesamten Familie zu machen. Damit ist die Hauptperspektive des Films aus dem Baum heraus ins Haus hinein vorgegeben.

Thema des Films ist Verlust. Gleich zu Beginn verlässt der Vater die Familie, um in mühevoller Nachtarbeit eine frühere schlechtausgeführte Arbeit der Firma, für die er arbeitet, heimlich auszubessern. Kaum ist er wieder zuhause, stirbt er an Überarbeitung während der Arbeit. Wir sehen die Trauerriten der Hinterbliebenen und die Beerdigung, die Frau heiratet einen neuen Mann, die Tochter bekommt ihr erstes Kind und am Ende trägt der Feigenbaum zum ersten Mal weiße Blüten. Ein belangloser Film über die Belanglosigkeit des Lebens also.

Ichijiku no kao ist ein japanischer Fortsetzungsroman. Aus vier Kurzgeschichten der Serie hat Momoi das Drehbuch entwickelt. Allzu eng gehalten hat sie sich nach eigener Aussage an ihr eigenes Drehbuch nicht. Immer wieder integriert sie Zufälle in den Film hinein, so beispielsweise einen Goldfisch in einem Glas, für den es keinen Platz am Set gab. Momoi läßt ihn den Vater einfach auf die Fensterbank seiner Ausweichwohnung stellen. In einer späteren Szene entdeckt die Tochter das Glas auf der Fensterbank, läuft hin und entdeckt so den Aufenthaltsort ihres Vaters der leichtbekleideten Nachbarin, die bis dahin noch gar nicht bemerkt hatte, dass die Nachbarswohnung bewohnt wird. So entstehen aus Zufällen neue kleine Geschichten. Ein weiterer „Trick“ Momois besteht darin, die Kamera laufen zu lassen, ohne das ihren Schauspielern zu sagen. So kann man z. B. minutenlang in das dümmliche Gesicht des Vaters sehen, der offensichtlich auf seinen Einsatz wartet. Die Regisseurin fand das lustig. Aber hätte es eine Veröffentlichung bei YouTube unter dem Titel „Schauspieler wartet auf Einsatz“ nicht auch getan.

Leider reichen die paar guten Gags nicht aus, um die inhaltliche Leere zu übertünchen. Allzu deutlich wird, das hier eine Vollblut-Schauspielerin mit einer Arbeit überfordert ist, für die ihr offensichtlich das Talent fehlt. Die besten Szenen des Films sind die vielen kleinen witzigen Einlagen, in denen die Schauspieler ihr Talent zeigen dürfen. So beispielsweise als Tochter und Vater gemeinsam einen Hang entlanggehen und dabei synchron bizarr ausschreiten, er vorneweg am rechten Bildrand, sie hinterdrein am linken Bildrand. Schauspielerische Stilübungen, wie man sie vermutlich auch in der Schauspiel-Schule lernt. Der Film entwickelt an keiner Stelle eine inhaltliche Tiefe, Symbole die das Potential von Metaphern hätten, wie der Feigenbaum, das Goldfischglas oder die immer wieder verzehrten Kroketten, dienen dann doch immer wieder nur dazu, einen weiteren Gag zu bringen. Vermutlich hat sich das Filmteam schlapp gelacht beim Ansehen des Films. Für den Zuschauer gilt das leider nicht.

Ach ja, die animierte Ameisenszene ist wirklich ganz nett. Fuck you!

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