James Benning (Forum): RR ausverkauft!

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Wer hätte das für möglich gehalten, dass ausgerechnet James Benning ein Kino nicht nur füllen, sondern sogar gleich am ersten Vorverkaufstag ausverkaufen kann. Ich jedenfalls nicht! Als ich vor zwei Jahren mit »10 Skies« meinen ersten Film von James Benning sah, teilte ich mir das viel zu große Kino mit vielleicht etwas mehr als einem Dutzend anderer Freunde experimenteller Filme.

Deutscher Kinostart: 12.6.2008

Es war ein unvergessliches und unvergleichliches Kino-Erlebnis aus 100 meditativen Minuten. Für die, denen James Benning noch nichts sagt: »10 Skies« sind 10 Einstellungen von 10 Himmeln, die jeweils exakt 10 Minuten lang dauern. Es war die Fortsetzung von »13 Lakes«, der in 13 Einstellungen Seen zeigt. Offensichtlich war es nicht nur für mich ein beeindruckendes Filmerlebnis. Als im letzten Jahr im Forum Bennings Estlingswerk »One Way Boogie Woogie« samt dessen kompletter Neuverfilmung »27 Years later« gezeigt wurde, war es schon deutlich voller geworden. Dieses Jahr setzt Benning seine Filmserie »American Landscapes« mit »RR« fort. »RR« steht für RailRoad und gezeigt werden 37 Einstellungen von vorbeifahrenden Zügen.Dass plötzlich so viele Menschen Zügen hinterhersehen wollen, ist allerdings doch überraschend. Benning ist es aber sehr zu gönnen, dass er sich inzwischen nach vielen Forums-Jahren offensichtlich eine feste Fangemeinde aufgebaut hat, die auch mal ein Kino schnell ausverkaufen kann. Ich habe übrigens keine Karte mehr bekommen. Zum Glück zeigt das Arsenal im Anschluss an die Berlinale eine Benning-Retrospektive. Einen Schnipsel habe ich noch.

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4 Kommentare zu James Benning (Forum): RR ausverkauft!

  1. kleo sagt:

    Ich hab da mal ne Frage: Wirkt Benning ungefähr so wie ein Bildschirmschoner? Da könnte ich nämlich auch stundenlang drauf schauen.

  2. holger sagt:

    Nein, der Bildschirmschoner ist zu hektisch. Bennings Filme wirken wie ein Kloster für zwischendurch. Das Leben wird für zwei Stunden radikal entschleunigt, indem Benning uns zwingt, eine Sache einmal ganz genau anzusehen. Wir denken, wir wüssten, wie das geht, einen See zu betrachten oder einen Himmel, aber Benning zwingt uns, da wir im Kino sitzen, ihn viel länger und genauer zu betrachten, als wir das normalerweise tun würden. Und plötzlich sieht man Dinge, die man noch nie zuvor wahrgenommen hat. Das ist zumindest mir bei einem Bildschirmschoner noch nicht passiert.

  3. kleo sagt:

    1. Was sind das für Dinge? 2. Was ist das für ein Publikum, was da hingeht? Zischeln die ein sofort an, wenn man mal tuschelt?

  4. holger sagt:

    1. Die Dinge, die man sieht sind zum Beispiel eine Wolke, die sich langsam von einem Vogel zu einem Boot wandelt, ein Flugzeug, das in großer Höhe vier Minuten lang vorbeifliegt oder ein paar Blätter, die vom Wind bewegt werden. Dinge, die wir eigentlich immer sehen könnten, die aber normalerweise unterhalb unserer Wahrnehmungsschwelle liegen. Benning zeigt sie uns, indem er dafür sorgt, dass wir nicht mehr abgelenkt werden. 2. Zum Publikum kann ich nicht soviel sagen. In den Filmen, die ich gesehen habe, hat niemand getuschelt, daher weiß ich nicht, wie die Reaktion wäre. Wenn ich frecherweise mal von mir auf andere schließen darf, würde ich aber sagen, sie sind nach einer Stunde Benning eher entspannt drauf. Die »Pscht-Das ist tiefe Kunst«-Idiotenriege sieht sich anschließend den neuen Emigholz an.

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