Killer of Sheep (Forum)

Regie: Charles Burnett
USA 1977 (restaurierte Fassung)
83 Minuten
10.2., 22.30 Uhr, Arsenal

Bewertung: Ein stiller Beginn meines diesjährigen Filmspektakels. Im Kinosaal fiel mir plötzlich ein, welche Probleme ich bereits im letzten Jahr mit meinen Englischkenntnissen hatte. So blieben mir nur die Bilder. Die Zuschauer zuckten und brummten im Bluestakt.

Mein erster Film bei der Berlinale 2007.

Und ich saß ca. 10 Minuten im Kinosaal, als mir wieder glühend heiß einfiel, welche Probleme ich bereits im letzten Jahr hatte mit Filmen, deren Sprache ich nicht verstehe. Mein Englisch ist nicht besser geworden in diesem einen Jahr… (Ja, ich schäme mich.)

So blieben mir von diesem schwarz-weiß-Film nur die Bilder und die Musik. Die Dialoge waren für mich absolut unverständlich da in tiefstem, schwarzen Südstaatenenglisch.
Und die Musik hatte es in sich! Ein hinter mir sitzender Zuschauer fühlte sich bemüssigt, beim Blues mitzubrummen… [Ich gebe zu, das hat genervt.]

Der Film… trotz manchmal schneller Bewegungen auf der Leinwand einer von den stillen, ruhigen, erzählenden. Unaufgeregt wie eine Novelle; so langsam wie die Zeit, die scheinbar kaum vergeht in der Hitze des Südens. Oft saßen die Protagonisten wie gelähmt von dem Licht und dem Leben einfach nur herum.

Auf Stühlen, Treppen… während die rennenden und spielenden Kinder ohne Ängste und in Abrißhäusern spielend glücklich schienen; fern den Sorgen der »Großen«.
Immer wieder wechseln die Bilder: spielende Kinder und der in einer Großschlächterei arbeitende Vater. Die Bilder aus dem Schlachthof werden im Laufe des Filmes immer krasser: Während am Beginn nur die Reinigung gezeigt wird werden später Schafe getötet, Köpfe auseinandergenommen… (bei diesen Bildern war ich dankbar, dass es sich um einen s/w-Film handelt…)

Ein stiller Beginn meiner diesjährigen Berlinale.

Susans Kritik:
… a tender film… sagt der Mann, der Charles Burnett am Ende des Films interviewte.
Ja, zärtlich ist ein passender Ausdruck.

Gezeigt wird eine Familie, Los Angeles in den Siebzigern, es gibt den absoluten siebziger Flair der Arbeitergegenden, gelangweilte Kinder, die konzentriert spielen können.
Die Handstand-Wettkampf machen, sich mit Steinen und Sand bewerfen, über Dächer springen, spielen, ihre Eltern in ihrem Leid und Unvermögen, glücklich zu sein, beobachten…
Der Hauptdarsteller, Stan, ein offensichtlich depressiver Familienvater, der mit seinem Job in einer Schlachterei nicht klarkommt. Er spricht kaum mit seiner Frau, nur unfreundlich mit seinem Sohn, allein seine kleine Tochter bekommt ab und an ein Lächeln.
Trotz des depressiven Settings, der kargen Dialoge und der schwarz weiß Einstellung ist der Film seltsam warm und nah.
Burnetts Abschlussarbeit an der UCLA wird mit italienischem Neorealismus verglichen, er selbst nennt Jean Renoir als Vorbild. Das entspricht auch sicher der Stille des Films.

[Mehr:]

Es gibt nicht viel zu schreiben, die zwei wichtigsten Szenen waren (für mich) der Moment, in dem Stans Frau mit ihm tanzt und ihre Sehnsucht und ihr Begehren zeigt und der Moment in dem seine kleine Tochter ihn tröstet, dabei immer wieder unsicher zur Mutter schauend, die sich verzehrt nach ihm.
Bedauerlich nur, dass im Abspann diese beiden Personen, Frau und Tochter nur in ihrer Funktion, eben als Frau und Tochter benannt werden und keine Namen haben- während Mann und Sohn benamst sein dürfen.

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