Klopka – Die Falle

Regie: Srdan Golubovic
Serbien/Deutschland/Montenegro/Ungarn 2006.
Darsteller: Nebojsa Glogavac, Natasa Ninkovic, Anica Dobra, Miki Manojlovic, Vuk Kostic u.a.
105 Minuten
Kinostart: 11.10.2007

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Foto: Progress

Und Du? Fährst Du nicht mit uns mit nach Deutschland?“
„Ich muss Schulden abbezahlen“, antwortet Mladen seiner Frau Marija fast am Ende eines Film Noirs, der mit der Schilderung einer liebevollen Familie begann und in Ausweglosigkeit endet.
Dazwischen liegt die Diagnose, dass der 10-jährige Nemanja an einer lebensbedrohlichen Herzkrankheit leidet, der Kampf der Eltern um das Leben ihres Sohnes, für dessen Operation in Deutschland sie 26.000 Euro auftreiben müssten, Mladens Verstrickung in Schuld.

Du hast Schulden?“
Schuld und Schulden verschwimmen im Belgrad der Gegenwart. „Ich bin ein schlechter Vater. Ich kann nichts für meinen Sohn tun“, klagt Mladen sich an in der verzweifelten Hilflosigkeit des Vaters, dessen kleiner Sohn zu sterben droht. In den serbischen Krankenhäusern könne man nichts für ihn tun. Nach Deutschland müsse er für die Operation. Möglichst schnell. Die Krankenkassen können das nicht tragen. Was das koste? 26.000 Euro.
26.000 Euro für das Leben eines Kindes und der Vater kann nichts tun. Als Bauleiter einer „Staatshütte“ leitet er ein Bauteam, das trinkt, während es auf Privatisierung hofft, das trinkt, um gegen die Vorstellungen der interessierten belgischen Investoren zu protestieren. Mit seinem Bauleitergehalt bekäme er nicht einmal einen Sofortkredit über 3000, wie ihm der Bankangestellte lächelnd unterbreitet. Lächelnd in dieser ausländischen Bank, in der jeder Mitarbeiter um Kündigung bangen muss, der ohne Lächeln auf den Lippen ertappt würde.

Ein Studienkollege macht sich über Mladens Job für der Staatsbude lustig, während er selbst die Neubauten der Belgrader Neureichen beaufsichtigt. Die Schwäne und Säulen dieser Kitschpaläste zeigen die eine Seite der sozialen Gegensätze im heutigen Serbien.
Marija und Mladen leben auf der anderen Seite.
Weil sie keinen anderen Weg finden zu Geld zu kommen, schaltet Marija in der Zeitung einen Spendenaufruf für Nemanja. Mladen reagiert mit Scham, eine Schülerin von Marija mit Hohn, als sie ihre Lehrerin als Nachhilfelehrerin engagieren will – sie brauche ja jetzt schließlich Geld und ihr Vater sei ein reicher Mann – und ihr schließlich dessen Reichtum vorgeführt: Ein golden barocker Rahmen hängt leer an der Wand in Erwartung eines Bildes, das dem 30.000-Euro-Rahmen würdig sein könnte. Das eine Ende der Welt, auf dessen anderen Seite das Leben eines kleinen Jungens am Gelde hängt.

Die Geschichte des todkranken Sohnes aber rückt in den Hintergrund. Dabei hat es die Familie am Ende geschafft: Anonym wurden 30.000 Euro auf das Spendenkonto überwiesen. Mladen aber wird bei der Operation nicht dabei sein.

In den Wochen zuvor am Krankenbett seines Sohnes, der von Anfall zu Anfall gerettet wird und dessen OP immer dringender wird, versuchte Mladen noch sich selbst als der liebevolle Vater zu spielen, der er immer war. Aber das Bild, das sein Sohn von ihm malt, will er nicht sehen. Faltet aus dem traurigen Porträt einen Papierflieger, lässt ihn fortschweben. Und kann doch sich selbst, noch nicht entschwinden lassen.

Mehrmals im Film sieht man Mladen mit dreckigen Schuhen ein Treppenhaus hoch gehen. Und mehrmals im Film fokussiert die Kamera auf Mladen, sein Gesicht vor nüchternem Hintergrund. Er gesteht. „Ich möchte endlich etwas richtig machen. Wenn es überhaupt noch irgendetwas richtig zu machen gibt.“

Schuld oder Schuld. Tod oder Tod. Drei Geständnisse.

Der Fokus auf Mladens Gesicht vor nüchternem Hintergrund wirkt lange so, als sei er im Polizeirevier eingefangen. Doch die Polizei interessiert sich nicht für Mladens Geständnis. „Der Mord an Petar ist eine schlimme Angelegenheit, bringen Sie unsere Ermittlungen nicht mit ihren wirren Geschichten durcheinander.“ Sagt der korrupte Inspektor zu Mladen, schmeißt ihn raus und greift zum Telefonhörer, am anderen Ende der Leitung der Auftraggeber eines Mordes.

Zu spät erzählt Mladen seiner Frau. Seiner Frau, von der er sich vor wenigen Wochen morgens kaum trennen konnte, wenn sie verkuschelt verliebt im Bett lagen. Später, als er sie ohrfeigt, sie wegrennt, sich im Bad einschließt, nur noch schemenhaft durch die Milchglasscheibe zu sehen ist, gibt es nur noch den zaghaften Versuch einer Berührung durch die Scheibe.
Als er endlich spricht, gibt es keine Berührung mehr.

Jemand hat von mir verlangt, jemanden umzubringen. Er hat mir dafür 30.000 Euro geboten. Ich wurde ein Auftragskiller, der Auftraggeber aber war verschwunden. Ich habe ihn gesucht. Dann habe ich ihn gefunden, aber er hatte das Geld nicht. In dem Moment hast Du angerufen, dass das Geld überwiesen wurde. Die Witwe hat es überwiesen, ich kenne sie vom Park. Ihre Tochter geht mit Nemanja in die Schule.“

Als er endlich spricht, gibt es keine Berührung mehr und keine Fragen, wie er seine Schulden abtragen kann.

Man sieht Mladen mit dreckigen Schuhen das Treppenhaus hochgehen. Die Kamera fokussiert auf Mladen, sein Gesicht vor nüchternem Hintergrund. Er gesteht. „Ich möchte endlich etwas richtig machen. Wenn es überhaupt noch irgendetwas richtig zu machen gibt.“ Ihm gegenüber sitzt Jelena, der Witwe seines Auftragsopfers, die er vom Spielplatz kennt, um die er sich nach einem Kreislaufkollaps kümmerte, die anonym die 30.000 Euro spendete, nachdem Mladen sich geweigert hatte, sie anzunehmen.

Das ist die Pistole, mit der ich Petar erschossen habe.“ Mladen lässt sie bei Jelena auf dem Wohnzimmertisch und geht. Und Petars Bruder, der am Grabe schwor, noch vor Ende der Trauerzeit seinen Bruder zu rächen, wird Wort halten.

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