Lapislazuli – Im Auge des Bären (Kinderfilmfest)

Regie: Wolfgang Murnberger
Österreich/Deutschland/Luxemburg 2005
100 Minuten

 

Ein großer Film, nicht nur für junge Cineasten, über Freundschaft, Vertrauen und den Zusammenhalt von Familien. Und über das Sterben und das Loslassenkönnen.

Sophie, deren Mutter verstorben ist, macht mit ihrem Vater und dessen neuer Freundin Kristina und deren Tochter einen Ausflug. Sophie ist eifersüchtig auf Kristina und beim ersten Konflikt reißt sie aus und trifft auf Bataa, einem jungen Neandertaler.
Bataa wurde durch einen Meteoriten aus dem Eis geschmolzen. Bataa und Sophie treten eine gemeinsame abenteuerliche Reise durch die Alpen an. Die Landschaft korrespondiert mit der dramaturgischen Handlung: Fließt der Film in ruhigem Tempo dahin, bewegen sich die Protagonisten auf flachwelligen Almen. Wird es spannend, werden die Berge steiler und scharfkantiger. Nur langsam wächst zwischen den beiden Vertrauen. Und einmal wird es hart auf die Probe gestellt. Doch Sophie kehrt zurück, Bataa zu helfen, die Reise zu seinen Vorfahren anzutreten. Und das bedeutet für den Neandertaler, zu sterben.
Am Lagerfeuer sitzen die beiden beieinander und erzählen sich ihr Schicksal – das von Bataa Gesagte bleibt dem Zuschauer meist verborgen. Aber Sophies Geschichte, ihre Sehnsucht nach der Mutter berührten nicht nur mich sehr. Der Film wird ab 7 Jahren empfohlen. Ich denke jedoch, dass die emotionalen Stimmungen, die der Film hervorruft, ein höheres Alter verlangen. Als das Licht wieder anging, hatten vor allem die Eltern feuchte Augen.
Es gibt ein paar wundervoll lyrische Metaphern: Sophie sucht den Bahnhof, Bataa seine Höhle. Beide wissen was es bedeutet, zum Himmel zu zeigen und „Mam“ zu sagen. Und als Bataa tödlich erkrankt an einer Grippe zusammenbricht, ist es Sophie, die ihn fast ohne Worte aufrichtet, so dass er seinen Weg zu Ende gehen kann.
Das Kino schluchzte geschlossen auf, als es zum Abschied der beiden an der Baumstammbrücke kam (vergleiche das Interview mit dem zehnjährigen Matthes in filmcheck). Der Film lässt uns gleichzeitig traurig berührt und froh zurück: Froh, da sowohl Bataa als auch Sophie ihre Familien wieder finden.
Was bleibt sind die Erinnerung an wundervolle Bilder und ein Gefühl der Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit, die die beiden Kinder, Sophie und der Neandertaler, lange suchen und erst am Ende finden.

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