Let The Right One In (FFF) — Der kleine Vampir auf schwedisch

Regie: Tomas Alfredson
Schweden 2008
114 Min.
Deutscher Kinostart: 23.12.2008

Die Verfilmung des schwedischen Romans »So finster die Nacht«, einer düsteren Coming of Age-Geschichte, steht ganz in der melancholischen Tradition des schönen dunklen Nordens. Mit ruhigen poetischen Bildern entwirft Tomas Alfredson die Einsamkeit zweier Zwölfjähriger. Zu Weihnachten kommt die Literaturverfilmung bei uns in die Kinos — auf dem Fantasy Filmfest ist sie schon jetzt zu sehen.

Der zwölfjährige Oskar lebt mit seiner Mutter in einer grauen Mietshaussiedlung. In seiner Klasse wird er gehänselt und drangsaliert. Sein Vater ist ein Alkoholiker, den er ab und zu besuchen darf. Oskar ist allein und isoliert. Doch dann platzen zwei Ereignisse in sein Leben: Der kleine Vorort von Stockholm wird von einer Reihe mysteriöser Morde heimgesucht und ins Nebenhaus zieht ein Vater mit seiner ebenfalls zwölfjährigen Tochter Eli ein. Merkwürdig ist nur, dass die neuen Nachbarn ihre Fensterscheiben mit Pappe zu kleben und Eli muffig riecht. Aber eigentlich gefällt das Oskar, ist sie doch ebenso eine Außenseiterin wie er selbst. Bald entwickelt sich eine zarte Freundschaft zwischen ihnen. Dass die Morde etwas mit Eli zu tun haben könnten, ahnt Oskar noch nicht.

Der Film basiert auf dem Roman »So finster die Nacht« von John Ajvide Lindqvist, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat. Es ist eine düstere Coming of Age-Geschichte, die von einer einsamen Kindheit in der Tristesse des Nordens handelt — die gleiche melancholisch-schöne Tristesse wie wir sie von einem Aki Kaurismäki oder einem Mikael Niemi (»Populärmusik aus Vittula«) schon kennen. Tomas Alfredson gelingt es in ruhigen Einstellungen und poetisch-düsteren Bildern die Einsamkeit eines Zwölfjährigen zu skizzieren, dessen Hobby darin besteht, Zeitungsausschnitte von Verbrechen zu sammeln.

Da Roman sowie auch Verfilmung die Metaebene zulassen, die Geschehnisse in dem kleinen Örtchen als Rachephantasien eines Zwölfjährigen zu lesen, geht der Geschichte nicht ganz auf. Alfredson hat sich gegen einen OFF-Kommentar entschieden, nicht unbedingt zum Vorteil des Films. Der Kinderdarsteller Kåre Hedebrant spielt den Oskar stark zurückgenommen, so dass die ungeheure Wut, die die teilweise auch recht harten Splatterszenen suggerieren, nicht wirklich nachvollzogen werden kann. Man denke dabei an die gelungenen Mittel zu denen Peter Jackson in HEAVENTLY CREATURES (USA, D, NZ, 1995) gegriffen hat. Dort wird die Figur Pauline (Melanie Lynskey) von eben solchen blutigen Rachephantasien heimgesucht. Jackson arbeitet dies mit dem OFF-Kommentar und Tagtraumsequenzen sehr drastisch heraus.

Oskars Welt ist jedoch nicht die einzige Perspektive, die der Film verfolgt. Eli ist nicht nur die tragische Vampir-Figur, mit der wir eher Mitleid empfinden als Grauen, sondern sie steckt auch in einer tragischen Vater-Tochter-Beziehung. Ihr alter Vater selbst ist kein Vampir, möchte aber wie jeder liebende Vater für seine Tochter sorgen. Er hat das Pech, ständig beim Schächten der Opfer erwischt zu werden, so dass Eli um nicht zu verhungern, schließlich selbst morden muss. Dass seine kleine Tochter Leute umbringt, schmeckt wiederum dem Vater nicht, der sich inzwischen überflüssig vorkommt. Schließlich sieht er nur noch einen Ausweg für sich.

Wie in den vielen traditionellen Vampirfilmen ist auch hier der Blutsauger eine tragische Figur, die lediglich durch die Sucht nach Blut getrieben wird. Natürlich ist von der kostbaren roten Flüssigkeit immer zu wenig da, weil es gar nicht so einfach ist, jemanden zu überwältigen. Darüber hinaus sucht Vampir Eli aber auch ein bisschen menschliche Wärme, die sie bei Oskar schließlich findet.

LET THE RIGHT ONE IN zeigt die Perspektive der Ausgestoßenen und Verlassenen und wird deshalb von MFA kurz vor Heilig Abend in die Kinos gebracht, da bekanntlich zu Weihnachten die meisten Empathie für andere empfinden. Die Geschichte mit viel Schnee hat auch einen Hauch schwarzen Humor zu bieten. Denn wie in den meisten skandinavischen Filmen tauchen auch hier skurile Gestalten auf. In der Nachbarschaft verbringt man die kalten Winterabende mit unzähligen Katzen und Schnapstrinken. Und während man noch rätselt, welches komische Wesen den lieben Kumpel ins Jenseits befördert haben könnte, ist man schon selbst ein Vampir.

Über kleo

Blogge über Filme.
Dieser Beitrag wurde unter FFF 2008 abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Let The Right One In (FFF) — Der kleine Vampir auf schwedisch

  1. Da fragt man sich beim lesen ja schon, ob man nicht irgendwie auf den Kopf gefallen ist.
    Nikolaus Köln

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.