Man in the Chair (Generation 14plus)

Alte Menschen wollen nicht vergessen werden. Alte Filmklassiker auch nicht.
Regie: Michael Schroeder
USA 2006
107 Minuten
englische OF

man.jpgBewertung: Ein tragikkomisches Independentmovie erzählt über die Liebe zum Film und plädiert dafür, dass die Generationen aufeinander zu gehen sollten.

The Man in the Chair — das ist derjenige beim Film, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, der, der die ganze Verantwortung trägt, der Regisseur. Und nichts wünscht sich Cameron dringlicher, als ein solcher zu werden. Er ist schon ein echter Filmfreak, wenn er mit seinem Kumpel ein Auto klaut, das so aussieht wie Carpenters Monsterauto Christine (John Carpenter, 1983). Und er ist ein typischer Pupertierender, roh, ungehobelt und kriminell. Als eines Tages ein High-School-Kurzfilmwettbewerb ausgerufen wird, schlägt Camerons Stunde. Im Kino lernt er einen alten Mann (Christopher Plummer) kennen, der andauernd laute Kommentare zu dem alten Filmklassiker Touch of Evil mit Charlton Heston abgeben muss. Es stellt sich heraus, dass dieser Mann, Flash, der einzige Überlebende aus dem Citizen-Kane-Team ist, der ihm vielleicht helfen könnte, seinen Film zu realisieren. Er kennt noch andere Leute aus dem Filmgeschäft, doch leider mag er Jugendliche nicht besonders.
Man in the Chair ist ein Film über die Lebenswelt alter Menschen: Vergessen, abgeschoben, krank, manchmal alkoholabhängig leben sie unbeachtet vor sich hin oder verrotten in Altenheimen und das wird nicht verniedlicht: Wir sehen den nackten, faltigen und mit Hautausschlägen übersähten Oberkörper des ehemaligen Drehbuchschreibers Mickey Hopkins und seine verdreckte Wohnung. Nein, ästhetisch anzuschauen sind sie wahrhaftig nicht, doch sie wollen akzeptiert und vor allem nicht vergessen werden. Das macht Schroeder mit aller Kraft deutlich, indem er Flash in Volltrunkenheit seine ganze Enttäuschung herausschreien lässt. Als Cameron immer mehr Einblick in ihre Lebenswelt erhält, weiß er, über welches Thema er drehen möchte. Allerdings ist dies nicht einfach, denn sie sind teilweise so in ihrem Selbstbewusstsein zerstört, dass eine Zusammenarbeit kaum möglich scheint. Es ist ein sehr bewegender Moment, als Cameran dem ehemaligen Drehbuchschreiber Mickey Hopkins zeigt, dass er nicht vergessen wurde: Er steht nämlich in der Internet Movie Database — sogar mit einem Foto. In ihrer Weltfremdheit und ihren ritualisierten Mucken sind die Alten mitunter aber auch komisch-kauzig, wie bei ihren merkwürdig anmutenden Fernsehritualen im Altenheim.
Man in the Chair erzählt auch über die Geschichte des Kinos, denn genauso wenig wie die Senioren wollen die Klassiker vergessen werden. Die Alten sind Symbolfiguren der Anfänge des Films. Und wenn Cameron Flash das Versprechen gibt, nie zu vergessen, wie er zu Filmen begonnen hat, so drückt das die Hochachtung und den Respekt des jungen Regisseurs gegenüber den Wegbereitern des Kinos aus.

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