Meine Berlinale (6) — das Bärometer und die Mascara-Schicksen

Das Wetter am Dienstag ist ein Alptraum. Ich absolviere »ordentlichen Berlinaledurchschnitt« (= vier Filme; Kino-King Knut) und während der Fahrten mit dem Fahrrad von Kino zu Kino saue ich mich ziemlich ein. Es regnet jedesmal in Strippen. Dafür sind die Filme diesmal alle ganz passabel.
Am Mittwoch: Tranquillo! Ich will mir nur einen Film ansehen. Da ich morgens aufgrund von Schneeverwehungen die S-Bahn nehme, finde ich endlich mal Zeit, mir das erste Mal das »Bärometer« anzusehen. (Da die Jury sowieso jedesmal ganz anders entscheidet als die Kritiker bewerten, sollten sie den Namen lieber in »Kritometer« umändern.)

Ich falle fast von der Bank: Von Jens Balzer ist man ja einiges gewohnt, aber dass er RICKY die Höchstwertung gibt, zusammen mit Carmen Böker (ebenfalls von der Berliner Zeitung), ist echt der Hammer. Dieser Film ist einfach nur Sch*! Überhaupt bewerten beide alle Filme fast gleich — sehr eigenartig.
Den besten Kritikerdurchschnitt hat bisher LONDON RIVER — dann wird dieser Film schon mal nicht den Goldenen Bären bekommen.

Leider führt mich mein einziger Mittwochsfilm schon wieder in den schrecklichen Berlinalepalast. Irgendein Typ geht dem andern fast an die Gurgel, weil dieser sich vorlehnt, um in der ersten Reihe im obersten Rang — der Berlinalepalast funktioniert wie die Titanic, nur andersrum — die Untertitel lesen zu können. Dieses blöde Kino macht mich wahnsinnig aggressiv. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Guchi-Top-Mascara-Schicksen unter mir mit ganz betroffenen Augen »Hungerfilme« wie GARAPA oder »Flüchtlingsfilme« wie EDEN A L´OUEST (EDEN IS WEST) gucken und zwanzig Minuten später Sushi-Häppchen auf irgendeiner schrecklichen Party befingern, könnte ich k*! Ich d-a-r-f da nicht mehr reingehen — diese Szenerie macht mich w-a-h-n-s-i-n-n-i-g!

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5 Kommentare zu Meine Berlinale (6) — das Bärometer und die Mascara-Schicksen

  1. stefan sagt:

    Zu letzterem passt mein Beitrag zu Haiti Chérie ganz gut.

  2. Bernd sagt:

    Gibt es das »Bärometer« online?
    War leider nur bis gestern auf der Berlinale, aber London River war neben Ricky eher der schwächste Festival Film mit der unerträglichen hauptfigur … ok, Rage nicht zu vergessen 😉

  3. kleo sagt:

    @Bernd: Nee, das Bärometer gibts leider nicht online. Aber es ist echt interessant, wie extrem unterschiedlich die Kritiker bewerten. Das macht das Ganze fast schon wieder spannend. LONDON RIVER hab ich nicht gesehen.

  4. Bernd sagt:

    Ok schade.
    Eine kritik ist halt was ziemlich subjektives, fand zB »Alle anderen« hervorragend der meist ziemlich zerrissen wurde.
    Am besten gefallen hat mir »in the Electric Mist« aus dem Wettbewerb, aber vermute mal eher nicht dass der nen Preis bekommt

  5. kleo sagt:

    IN THE ELECTRIC MIST konnte ich nicht folgen, weil ich so müde war — ich fand ALLE ANDEREN auch ziemlich gut.Vielleicht sogar der beste Film? Kann ich noch nicht sagen, bevor die Berlinale zu Ende ist. Aber der wird keinen Preis bekommen — meistens nehmen sie sozial-politische Filme und das ist ALLE ANDEREN überhaupt nicht, obwohl viel gerade das darin gesehen haben wollen (siehe auch meine Kritik)…

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