Moon — der vergessene Working Class Hero

Regie: Duncan Jones
GB 2009
97 Min

Moon_J1T0501 Stilistisch nahe an Tarkowski und Kubrick, aber mit einer Botschaft der 80er-Science-Fiction. Protagonist Sam aus dem wegweisenden Indepententfilm MOON. (FFF 09)

Ingenieur Sam (Sam Rockwell) arbeitet für die Lunar Energy Industries, die, nun nachdem die Energiequellen auf der Erde versiegt sind, ihren Rohstoff aus dem Helium 3 des Mondes gewinnt. Die Besonderheit: Dazu brauchen sie nur einen einzigen Menschen, der die Energie für die gesamte Erde erwirtschaftet. Der Preis für diesen »heroischen« Job ist Isolation. Sam hat nur noch Gerty, einen Roboter, der einem riesengroßen einarmigen Banditen ähnelt, der »Emotionen« durch ein Smily-Gesicht ausdrückt. Doch Gerty ist keine Maschine, die einen Partner ersetzen könnte — seine Aufgabe beschränkt sich auf die Überwachung des Gesundheitszustandes von Sam. Die einzigen menschlichen Kontakte sind Videobotschaften seiner Frau und seiner Arbeitgeber.

Die Situation zu Beginn ist äußerst prekär, denn der leichenblasse, körperlich völlig ungepflegte und apathische Ingenieur leidet extrem an dieser Isolation. Er steht kurz vor dem Wahnsinn, führt Selbstgespräche und nur sein Bastelei von Modellbauten retten ihn vorm Durchdrehen. Doch da sein Vertrag auf drei Jahre befristet ist und dieser in zwei Wochen ausläuft, beginnt er sich wieder zu »vermenschlichen«. In jeder Einstellung wird seine Frisur kürzer, nachts träumt er von den sanften Berrührungen seiner Frau. Doch merkwürdig: Die Videobotschaften von ihr stehen in seltsamen Kontrast zu Sams menschlicher Verwandlung — ein leiser Unterton von Verzweiflung ist zu spüren, der von Nachricht zu Nachricht stärker wird. Und in Sams nächtliche wohltuende Träume schleichen sich Horrorvisionen. Plötzlich beginnt er Menschen an Bord zu sehen…

Das Debüt von Ducan Jones ist stilistisch zwar eher an die Weltraumdramen eines Stanley Kubricks oder eines André Tarkowskis angelehnt (ohne in langen Einstellungen zu schwelgen), jedoch den Blick auf die philosophische Faszination des Alls, der das Mysterium Leben von Außerhalb neu beleuchten soll, also die Science Fiction der 60er/ frühen 70er, vollzieht Jones nicht mit. Hier ist er ganz der 80iger, der sich für die realistischen Anfangsszenen eines James Cameron (»Alien — Die Rückkehr«) begeistert. In den Szenen, in denen die Crew im Essen rumstochert und daran rummäckelt, wird der Weltraum ganz und gar irdisch. Als erster fing Kubrick mit seinem wegweisendem »2001« damit an: lange Abendessen-Szenen, in denen die beiden Astronauten wie in allen bürgerlichen Wohnzimmern gleichzeitig essen und fernsehen (um dann aber später doch wieder fürs All zu faszinieren), fortgesetzt von Cameron, der seine Soldaten in »Alien- die Rückkehr« am Tisch ziemlich rumprollen lies. Auch im Haferschlein, der außerhalb der Matrix, von den Wachowski-Brüdern serviert wurde (»viel nahrhaftes Eiweis«) steckte eine Bodenständigkeit, die eher an den Pausenraum eines altertümlichen Produktionsbetriebes erinnerte, als an einen Fantasyfilm aus dem Jahre 1999.

MOON ist ganz und gar bodenständig — der Weltraum und das Leben ist kein Mysterium mehr wie in den 60igern. Alles ist Alltag — wie in den 80ern, doch ohne Action. Das Geheimnis, das Sam schließlich herausfindet, ist dramatisch, extrem unbefriedigend und geht ganz in dem Exploitation-Anspielungen, das alle 80er-Science-Fiction-Filme irgendwo enthalten, auf. Duncan Jones´Debüt ist dahingehend einerseits eine gelungene Homage, andererseits aber auch wegwesend. Kein anderer Science-Fiction-Film hat sich, wie ich finde, die innovativsten Thematiken und Stilistiken dieses Genres zusammengesucht und vereint. Dieser kleine Independentfilm hat das geschafft und sollte in den Kreativ-Etagen der Filmbranche zumindest Beachtung finden, um das Genre neu zu beleben. Konkret meine ich damit den Stil der 60/70-iger-Filme und die Thematiken unserer Zeit. Ein Verzicht auf die ausufernden Action-Elemente, denen sich MOON auch konsequent verweigert, wäre schon mal ein Anfang…

Die Rechte für MOON wurden soeben von Koch-Media erworben. Noch steht nicht fest, ob es zu einem Kinostart oder nur zu einer DVD-Premiere kommt.

Es wäre wünschenswert, dass dieser Film den FRESH BLOOD AWARD erhält. Mal gucken. (Komischerweise haben sie in der zweiten Berliner Vorstellung keine Abstimmungskarten mehr verteilt. Schade!)

Hamburg, So, 23.8., 19.15h CinemaXX 1, Köln, Sa, 29.8., 21.15h, Cinedom 9, Frankfurt, Mo, 31.8., 19.30h, Metropolis 6, Nürnberg, Fr, 28.8., 19h, Cinecitta´2, Stuttgart, Fr, 4.9., 21.15h, Metropol 1, München, Sa, 5.9., 21.15h, Cinema

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