BERLINALETAGEBUCH

Samstag: Ich ärgere mich etwas, dass ich ein Ticket für DIE SPUR DER BÄREN gekauft habe, da die Berlinale-Doku auch am Sonntag (also heute) auf arte läuft. Ich werde aber entschädigt und darf Kosslick bei einer total verpeilten Rede, die ihm vermutlich fünf Minuten vorher in die Hand gedrückt wurde, zu hören: Man lege sich einfach ein Image des permanent Unkonventionellen zu, dann sieht es so aus, als gehörten sämtliche Fehler zur Show.
Meine Festival-Verpeiltheiten setzen diesmal allerdings auch schon ziemlich früh ein. Wahrscheinlich bin ich schon von dieser Ticket-Kauferei vollkommen erschöpft. Ich fahre zur Potse, um bei Dunkin’ ein bisschen auf der Tastatur zu klickern, weil der nächste Filme läuft ja dort. Als ich einen Blick auf das Ticket werfe, sehe ich, dass der nächste Film aber erstens im CUBIX am Alex läuft und zweitens, dass zum darauffolgenden Film, der wieder an der Potse läuft, nur eine minimale Lucke von fünf Minuten klafft.

Als ich bei Rot über die Ampel stürme, setze ich gleichzeitig mit ULRICH GREGOR den Fuß auf die Fahrbahn – nur ist dieser in Richtung Arsenal unterwegs. Dass ich DAVID WANTS TO FLY eher verlassen muss – das meditative Geschwafel von David Lynch geht mir eh auf den Keks – ist nicht weiter schlimm. Allerdings reißt mich der etwas belanglose ORLY auch nicht gerade vom Sitz. Zum Spätfilm im Delphi wird es schon wieder knapp, da der Bus sich ewig ausmährt – mit Fahrrad eine gemütliche Strecke von zehn Minuten. Der absolut kompromisslose A CROWD OF THREE ist der beste Film dieses Tages. Im
Q & A konfrontiert die Moderatorin den Regisseur mit der Frage, warum er die Figuren perspektivlos untergehen lässt. Ein Großteil des Publikums hat den Saal schon verlassen, der Beifall war mau. Was wollen sie (Moderatorin & Publikum) denn hören? Eine verlogene Happy-End-Antwort des Mainstream-Films?

Um 0.30 Uhr bin ich schon wieder verpeilt: Ich lasse mein Portemonnaie auf dem Sitz liegen und erhalte von Holger, der noch im Q & A sitzt, den Warnanruf, als ich schon in der S-Bahn, umgeben von völlig besoffenen und brüllenden Nazi-Teenagern, vermutlich aus der Provinz, sitze. Da der Zug schon seit zehn Minuten ruckartig zum Stehen gekommen ist – wahrscheinlich hat einer die Notbremse gezogen – bin ich noch nicht weit gekommen. Ich fahre zurück! Heute stehe ich nach fünf/sechs Stunden Schlaf auf der Matte. Ich muss das mal ändern, sonst lasse ich noch mein Mini-Notebook irgendwo liegen. Heute ist es entspannter: Nur drei Filme, ein früheres Ende – dann rechtzeitig in die Heia.

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