2018: Nach 7jähriger Pause wieder Berlinale

Nach langer Pause gibt es uns wieder. Wir berichten über unsere persönlichen Erlebnisse und Eindrücke von der Berlinale 2018. Und natürlich gibt es auch Kritiken über Filme, die wir bemerkenswert finden. Die ersten Filme wurden bereits gesichtet. Das Forum und die Generation sind die von uns stark frequentierten Sektionen.
Wir haben in den letzten Beiträgen, insbesondere 2011, viel über Spielstätten und Festivalmodalitäten berichtet — hier gibt es Änderungen, über die wir uns teilweise selbst noch informieren müssen. Eine Besonderheit unseres Blogs ist es, dass es vollkommen unabhängig berichtet und sich auch wenig von der professionellen Presse beeinflussen lässt. Wir sind langjährige Cineasten mit völlig verschiedenen Geschmäckern und Hintergründen. Wir fühlen uns nur einem verpflichtet, dem Film auf der Leinwand. Er wird respektiert und doch kritisch hinterfragt.
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Das war die Berlinale 2011

Meine Filme: 43
Forum: 23
Panorama: 6
Wettbewerb: 1
Special: 1
Retro: 1
Generation: 9
kürzester Film: 8 Minuten
längster Film: 278 Minuten


THE BEST:

1. Episch: LAS MALAS INTENCIONES (Kplus, Peru, 2011)

Der Film verknüpft peruanische Landesgeschichte – in den 80ern kämpfte die linksgerichtete Guerilla-Organisation Leuchtender Pfad gegen Regierung und Reiche – mit dem Portrait einer Oberschichtenfamilie aus Sicht der emotional vernachlässigten Cayetana. Als die Mutter schwanger wird, beginnt sie, das noch Ungeborene zu hassen – ein komplexer Einblick in die von gesellschaftlichen und familiären Umbrüchen beeinflusste kindliche Psyche.

2. Formal: TOMBOY (Cross: Panorama/14plus, Frankreich, 2011 )

Dieser minimalistische, französische Film problematisiert die soziale Gender-Thematik. Die zehnjährige Laure will einfach nur ein Junge sein und täuscht dies nach einem Umzug in ein Neubaugebiet in der dortigen Kinderclique vor. Sie findet schnell Anerkennung, doch irgendwann muss dieses Gebäude aus kreativen Lügen einstürzen. Es fällt leise, ohne viel Dramatik, aber ohne das Thema zu verraten, in sich zusammen.

3. Experimentell: JESS + MOSS (14plus, USA, 2011)

Dieser Experimentalfilm erzählt retrospektiv und aus der Sicht des 12jährigen Moss, der sich an den Sommer mit seiner Kusine Jess erinnert. Die gewagte Ästhetik, die permanente Verletzung der unsichtbaren Schnittregeln, ist ein beeindruckendes Visualisierungs-konzept für Erinnerungsmechanismen.

4. Dokumentarisch: CAVE OF FORGOTTEN DREAMS (SV, USA, 2010)

Durch die starke Betonung seiner subjektiven Sichtweise schafft es Werner Herzog, uns für über 30.000 Jahre alte Wandmalereien und Knochen in der Chauvet-Höhle zu begeistern und unser Blickfeld für existenzielle Fragestellungen zu erweitern. Außerdem erhält man eine Idee davon, was man mit 3-D über die räumliche Darstellung vom Schlumpfdorf Pandora hinaus noch alles anstellen kann.

THE WORST

Richtig schlechte Filme habe ich in diesem Jahr eigentlich nur einen einzigen gesehen:

1. LIFE IN A DAY (Panorama, GB, 2011)

Banale YouTube-Alltagsschnipsel, ertränkt im Pathos, streckenweise voyeuristisch. Zusätzlich will uns der Regisseur auch noch die Philosophie verkaufen, dass der Sinn des Lebens in den kleinen Alltagsdingen steckt.

Vier Schlusssätze

 

Sehr viel Gutes habe ich in der Generation gesehen. Eher enttäuschend war in diesem Jahr das Forum. Die deutschen Filme haben ihren Kredit für lange Zeit bei mir verspielt (bis auf ein paar Ausnahmeregisseure). In der Retrospektive habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich für Bergman erst mal einen Einsteigerkurs benötige.

 

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BERLINALETAGEBUCH — The Finish

Die letzten Festivaltage brechen an. Passend zu SUICIDE ROOM ist es am Donnerstag düster und eisig. Nach dem Film noch eine kleine Lasagne vor dem Ticket-Counter. Keine Schlangen mehr, dafür ein Karten-Marktplatz. Haufenweise Leute, die Tickets für Wettbewerbsfilme loswerden wollen. Wahrscheinlich haben sie inzwischen die Kritiken gelesen – sollte man unterlassen! Die Journalisten sind nach diesem Filmmarathon sowieso geistig nicht mehr zurechnungsfähig. Jemand will mir V SUBBOTU andrehen: „Uuuh – das ist doch der Tschernobyl-Film, der so schlechte Kritiken bekommen hat.“ – „Aber nicht überall.“ – Keine Chance!

Am Abend sehe ich dann mit JESS + MOSS endlich mal einen Film, der etwas wagt. Trotzdem geht mir nach 37 Filmen auch langsam die Puste aus.

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FILMKRITIK: Jess + Moss — Reise zurück

Regie: Clay Jeter
USA 2011
84 Min.

19.2. Cubix 8 15.30h
20.2. H.d.K.d.W. 14.00h

Eine halbe Stunde, nachdem im Forum die Weltpremiere des Konzeptfilms TWENTY CIGARETTES durch ist, läuft in der Generation 14plus ein viel radikaleres Filmexperiment als das inzwischen schon hinlängst bekannte und risikolose von James Benning. Regisseur Clay Jeter verzichtet weitestgehend auf eine Storyline, es gibt nur einen Background. Moss erinnert sich in vielen aneinandergereihten Szenen an die Sommerferien mit seiner Cousine Jess, die auch, wenn es zu Überlagerungen und Wiederholungen kommt, in keinem Zusammenhang stehen. Die Wirkung, die eine 84minütige permanente Verletzung des unsichtbaren Schnittes hat, ist für mich das eigentlich Faszinierende.
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FILMKRITIK: Twenty Cigarettes — Zwanzig Einstellungen und zwanzig Raucher

Regie: James Benning
USA: 2010
Länge: 20 Zigarettenlängen (99 Minuten)

19.2. CinemaxX 4 22.00h
20.2. Delphi 14.00h

Rauche eine Zigarette und ich sage Dir, wer Du bist. Als „Experimentalkino“ möchte ich die Einstellungsfilme von Benning nicht mehr bezeichnen, denn Experiment impliziert, dass man experimentiert. Jedes Mal das gleiche Prinzip mit anderen Objekten mag zwar in den Naturwissenschaften als Experiment gelten, aber nicht im Film.

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BERLINALETAGEBUCH: Halbzeit. Das kann doch nicht wahr sein…

… denke ich, als ich mir das Schaltwerk meines Rennrads genauer ansehe. Es ist Dienstag und ich bin gerade unterwegs zu den Potse- Arcaden, als sich in der Swinemünder Straße ein herumfliegender Müllsack urplötzlich in meinem Hinterrad verfängt. Das Shimano-Ultegra-Schaltwerk ist glatt durchgebrochen. So was kann auch nur mir passieren! Ich schulter mein Rad und trage es zur Fahrradstation nach Mitte. Dort schauen sie fasziniert auf das Dilemma. Sowas hatten sie noch nicht gesehen. Ich seufze schwermütig, setze noch eins drauf und erzähle die Geschichte vom gebrochenem Leerlaufkörper. Weiterlesen

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FILMKRITIK: An Angel in Doel, Matchmaking Mayour — Aufstand in den Suburbs

De Engel von Doel (An Angel in Doel)
R: Tom Fassaert
NL/B 2011
77 Min
17.2. CinemaxX 4, 19.30h
18.2. CineStar 8, 16.30h
19.2. Delphi, 14.00h

Nesvatbov (Matchmaking Mayor)
R: Erika Hníková
SK/CZ 2010
72 Min
20.2. CineStar 8
Diese zwei sehr unterschiedlichen Dokus thematisieren Widerstande einzelner Protagonisten gegen den ökonomisch bedingten Wandel auf dem Lande. In dem poetischen und äußerst gelungenen Schwarz-Weiß-Film AN ENGEL VAN DOEL soll ein Dorf wegen des Ausbaus des Antwerpener Hafens umgesiedelt werden – die 75jahrige Protagonistin Emilienne und ein Priester kämpfen dagegen an. In der Slowakischen Republik sind ganze Regionen wegen Landflucht so dünn besiedelt, dass immer mehr Bewohner Single bleiben, weil ihnen die Auswahl fehlt. Der zwiespältige und konservative Bürgermeister aus NESVATBOV (MATCHMAKING MAYOR) hat sich die absurde Aufgabe gestellt, sie miteinander zu verkuppeln. Weiterlesen

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FILMKRITIK: Submarine — Ich, Oliver Tate

R: Richard Ayoade
GB 2010
94 Minuten

OmU

15.2. CineStar8 19.15 h OmU
16.2. Arsenal 1 12.30h OmU
18.2. Cubix 9 20.00h OmU

Dieser englische Coming-of-Age-Film, ein Debüt des Videoclip-Filmers Richard Ayoade, stammt von Warp Films. Das Label hat bereits schon mit dem Skinhead-Film THIS IS ENGLAND auf der Berlinale und in den deutschen Videotheken für Aufmerksamkeit gesorgt. SUBMARINE basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joe Dunthorne, in dem der 15jährige Teenager Oliver Tate sehr komisch und äußerst amüsant über sich und seine Umgebung zu berichten weiß. Was der Film allerdings im FORUM zu suchen hat, ist mir schleierhaft – das ist eigentlich ein typischer Generation-14plus-Film.

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FILMKRITIK: Cave of Forgotten Dreams — das Wesen aus einer anderen Welt

Regie: Werner Herzog
USA/Frankreich 2010
90 Minuten
14.2. Urania 17.30 OmU
Am Rande der Berlinale läuft ein Dokumentarfilm des Autorenfilmers und letztjährigem Jury-Präsidenten Werner Herzog, in dem er mit kindlicher Neugier die anthro-pologischen Forschungsarbeiten in der Chauvet-Höhle, wo die bisher ältesten Höhlenmalereien gefunden wurden, verfolgt. Wie in allen seinen Dokus verweigert er sich dem Direct Cinema. Gerade die Herausstellung seiner Subjektivität ist es, die diesen in 3 D gefilmten Thesenfilm, der die menschliche Herkunft und Bestimmung hinterfragt, reizvoll, sinnlich und mystisch macht.

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FILMKRITIK: YouTube-Experiment LIFE IN A DAY

Regie: Kevin MacDonald
GB 2010
95 Minuten
Der YouTube-Schnipselfilm ist so ziemlich das Schlimmste, was ich jemals auf der Berlinale sehen musste: Eine Aneinanderreihung von Banalitäten zwischen Voyeurismus und Inszenierung, die MacDonald im billigen und unerträglichen Pathos ertränkt, um daraus eine Küchenphilosophie über den Sinn des Lebens zu schnitzen. Der 24.7.2010 ist ein schwarzer Tag! Nicht nur wegen der Duisburger Love Parade, deren Unglück der Regisseur natürlich nicht ausspart, sondern an dem Tag wurde auch einer der fürchterlichsten Filme ever gedreht. YouTube rief dazu auf, Tapes mit gesammeltem Alltagsmaterial dieses Tages einzuschicken, das hier auf anderthalb Stunden zusammengewurstelt wird.

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