Panorama

Das Panorama besteht aus zwei Sektionen: dem »Autorenfilm« (Wieland Speck, Leiter des Panorama) und dem Dokumentarfilm. Unter den »Autorenfilmern« sind diesmal auffallend viele Schauspieler wie Antonio Banderas »Sommerregen« (deutscher Titel), Julie Delpys »2 Days in Paris« und Steve Buscemis »Interview«. Allerdings eilt Antonio Banderas Film, der auf Previews in Spanien und Pressevorführungen schon gelaufen ist, ein schlechter Ruf voraus. Steve Buscemis »Interview«, ein Remake des ermordeten niederländischen Regisseurs Theo van Gogh, könnte ein interessanten psychologisches »Kammerspiel« zwischen einem Kriegsreporter (Steve Buscemi selbst) und einem jungen Starlet sein. Der engagierte Journalist hat nicht die geringste Lust auf die durch belanglose Soap Operas berühmte gewordene Blondine – zwischen den Beiden entwickelt sich ein Machtkampf. Bei den Kritikern wird dieser Film hoch gehandelt. Er könnte sprachlich sehr anspruchsvoll sein, hat aber bisher leider noch keinen deutschen Verleih, zumindest jedoch keinen Starttermin. Interessant und etwas durchgeknallt klingt auch die Story des diesjährigen Panoramaeröffnungsfilms »The Tracey Fragments«: Der kanadische Film handelt von einer 15jährigen, die ihren kleinen Bruder hypnotisiert, so dass er glaubt, er wäre ein Hund. Sie leidet schwer an der Pubertät, flüchtet sich in Träume. Als ihr Bruder verschwindet, reißt sie von zu Hause und alles nimmt mehr und mehr die Züge eines Alptraums an. Der Film basiert auf der gleichnamigen Erzählung (in den USA/Kanada bekannt) und wird als moderner »Fänger im Roggen« verstanden. Er gehört zu einem von den 14 Panorama-Filmen, die laut Pressemitteilung »jugendliche Identitätsfindung« thematisieren. Ebenso dazu gehört »Theeth«, eine amerikanische Teenagerkomödie, die im High-Schoolmilieu spielt und in der die Protagonistin, ein Keuschheitsgelübde ablegt.
Mit »Guten Morgen, Herr Grothe« gibt es auch einen Film über das Berliner Schulmilieu. Der Regisseur Lars Kraume, der bisher hauptsächlich für das Fernsehen gearbeitet hat, stellt diesmal aber nicht die Sicht eines Schülers in den Mittelpunkt, wie Buck letztes Jahr in »Knallhart«, sondern die eines Deutsch-Hauptschullehrers.
Bei den Panorama-Dokumenten gibt es zwei Filme über DDR-Musiklegenden. Zum einen über Tamara Danz, die Rockikone der Band »Silly«, die früh an Brustkrebs starb (Regie: Peter Kahane, Ete und Ali, DDR, 1984). Zum anderen über Dean Read, der in den 80er Jahren aus den USA in die DDR einreiste. »Der rote Elvis« (Titel nach dem gleichnamigen Buch über Dean Reed) sah sich selbst als so eine Art singender Friedens-Cowboy und kam unter mysteriösen Umständen ums Leben, die damals Anlass zu den wildesten Spekulationen gaben.
Auch diverse Musikfilme sind wieder am Start, z.B. »Gucha«, der laut Aussagen von einem Forum mit einer Million Euro zu den teuersten der serbischen Filmgeschichte gehören soll. Im Vordergrund steht natürlich das legendäre Cucha-Festival mit seinem Blechbläserwettbewerb. Hauptprotagonist ist einerseits das „Boban Markovic Orkestar“, andererseits der fiktive Romeo (Boban Markovics Sohn) und die Juliana, die in einem konkurrierenden Roma-Orchester, den „Sandokans Tigers“ spielt. Die Namen sagen alles. Allerdings sind die Eltern offenbar einsichtiger als die Montagues und Capulets, denn Romeo bekommt eine Chance. Er muss die Tochter auf dem Cucha-Festival übertrumpfen.
Spannend klingt auch »Blindsight«, einem Film, der den Mount-Everest-Aufstieg blinder Schüler und Schülerinnen dokumentiert und darüber hinaus von ihrem Schicksal erzählt. In Tibet wird Blindheit noch vielfach als Strafe Gottes für Verfehlungen im vorherigen Leben begriffen.

Über kleo

Blogge über Filme.
Dieser Beitrag wurde unter Berlinale 2007, Panorama veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.