FILMKRITIK: Patti Smith: Dream of Life (Panorama) — Being Patti Smith

Regie: Steven Sebring
USA 2008
109 Min.

Der Film ist so expressiv, wie ihre Songs. Ein Bilderrausch wie auf einem Trip.

17.2., 20.30 Uhr, Cubix 7 und 8, OF

Der Film beginnt mit einem kurzen Abriss ihres Lebens aus dem Off: Smith erzählt in ihrem typischen Beatrhythmus, dass sie 1946 geboren wurde, als Kind in einer Fabrik gearbeitet hat, weil ihre Eltern arm waren. Dass sie später von New Jersey nach New York gegangen ist. Derweil schlängelt sich die Kamera durch ihre Wohnung. Eine Katze sitzt auf dem Fensterbrett wie ein Stilleben, die Wand ist voll mit Fotos, Notizen und Bildern. Überall liegen Bücher und anderer Kram rum. Smith erzählt den ganzen Film über, aber es geht nicht um die Chronologie ihres Lebens. Vielmehr mischen sich in diesem Biopic Alltagsszenen eines Stars mit videoartigen Clips zu der frei assoziierten, rhythmischen und stark expressiven Rocklyrik von Smith.

Die poetischen Bilder, die Fotograph Steven Sebring dafür findet, scheinen direkt aus Patti Smith‹ Kopf entsprungen zu sein. Man hat fast den Eindruck, sie hat die Kamera selbst geführt. Sebring montiert die Bilder, die die Stimmung der musikalischen Beattexte widerspiegeln. Oft sind sie depressiv und müde. Wie bei einem, der zu viel durchgemacht hat. Wenn die Sängerin versucht, ihre Gefühle über den plötzlichen Tod ihres Bruders zu beschreiben, sehen wir einen grobkörnigen Schwarz-Weißfriedhof und einen engen claustrophobischen dunklen Raum in einem verfallenen Haus. Andere Bild-Ton-Montagen sind wiederum kämpferisch, impulsiv und wütend: Fuck the government! Fuck Bush!

Elf Jahre hat Steven Sebring gefilmt. Dabei muss er Patti Smith intensiv kennengelernt haben. Er hatte vorher so gut wie keine Erfahrung mit der Filmkamera, ist dafür aber ein bekannter Mode- und Starfotograf. DREAM OF LIFE ist wahrscheinlich der beste Beweis dafür, wie nah sich Foto und Film sind. Wahrscheinlich war es sogar von Vorteil, dass nicht ein erfahrener Kameramann diesen Film gedreht hat. Denn so konnte einer, der ein Feeling für Bildkompositionen hat, sich der Thematik auf ganz unvoreingenomme Weise nähern und einen eigenen Ausdruck für eine ganze eigene Musik finden.

Die Alltagsszenen zeigen Patti Smith bei ihren Eltern, die in einem kleinen, engen Haus mit Garten, zusammen mit einem alten Hund leben. Man sieht Konzertausschnitte, die Band im backstage, am Strand, ihren Sohn, den sie immer mitnimmt, ausflippende Fans. Smith malt vollgedröhnt Bilder, ist immer wieder bei politischen Aktionen, spielt Gitarre mit Sam Shepard, liest William Blake.

Am Ende hat man den Eindruck, wie nach einem sehr guten Konzert, dass man ganz dicht, am Star dran war.

Links: Patti Smith´HORSES. Anlässlich des Films gibt es eine Ausstellung von Sebring in Mitte.

Über kleo

Blogge über Filme.
Dieser Beitrag wurde unter Berlinale 2008, Panorama veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu FILMKRITIK: Patti Smith: Dream of Life (Panorama) — Being Patti Smith

  1. Pingback: das blog zum hof » Blog Archive » Patti Smith: Dream of Life auf arte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.