FILMKRITIK: Submarine — Ich, Oliver Tate

R: Richard Ayoade
GB 2010
94 Minuten

OmU

15.2. CineStar8 19.15 h OmU
16.2. Arsenal 1 12.30h OmU
18.2. Cubix 9 20.00h OmU

Dieser englische Coming-of-Age-Film, ein Debüt des Videoclip-Filmers Richard Ayoade, stammt von Warp Films. Das Label hat bereits schon mit dem Skinhead-Film THIS IS ENGLAND auf der Berlinale und in den deutschen Videotheken für Aufmerksamkeit gesorgt. SUBMARINE basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joe Dunthorne, in dem der 15jährige Teenager Oliver Tate sehr komisch und äußerst amüsant über sich und seine Umgebung zu berichten weiß. Was der Film allerdings im FORUM zu suchen hat, ist mir schleierhaft – das ist eigentlich ein typischer Generation-14plus-Film.

Tate lebt in einer permanent grauen Küstenstadt in Wales. Am Anfang kreist sein Dasein hauptsächlich um das erste Mal und seine Jungfräulichkeit. Aber auch das Sexleben seiner Eltern, das er permanent überwacht, bereitet ihm große Sorgen. Der Dimmer im Schlafzimmer steht seit Monaten nicht mehr auf halber Leuchtkraft. Als er endlich mit seiner neuen Freundin den Liebesakt vollzogen hat – im Buch ist die Sexszene sehr witzig beschrieben, im Film wurde sie gestrichen – ist es zuerst wie eine Katharsis, doch kurz darauf kommen neue Probleme auf ihn zu: Sein Vater, und mit ihm auch Oliver, verfallen in eine schwere Depression – fast schon ein obligatorisches Genremerkmal – und Oliver beginnt zu glauben, dass seine Mutter eine Affäre mit ihrem früheren Geliebten, einem predigenden Astro-Meditator, hat und, dass die Ehe seiner Eltern bald auseinanderbrechen wird. In gewisser Weise ähnelt Oliver Tate Holden Caulfield. Beide sind ausgezeichnete, fast reife Analytiker ihrer Umgebung, benehmen sich aber etwas skurril. Als die Mutter von Olivers neuer Freundin Jordana Krebs bekommt, bringt er ihren Hund mit Rattengift um: eine Art Feuerprobe für den Verlust eines geliebten Menschen. Oliver tut sehr sophisticated, verwendet mit Vorliebe Fremdwörter wie „Parthenogenese“ (Jungfrauengeburt) oder „Triskaidekaphobie“ (Angst vor der Zahl 13), und spricht sehr geschwollen. Eigentlich weiß er, dass er sich damit keine Freunde macht.

Richard Ayoade, der in Großbritannien auch als Drehbuchautor für TV-Komödien bekannt ist, tut gut daran, sich erzähltechnisch weit von Joe Dunthornes Roman zu entfernen. Der Witz des Buches beruht vor allem auf unzähligen komischen, weil aus dem Blickwinkel von Tate beschriebenen, Anekdoten. Es ist wie bei Salinger vor allem die eigene Sprache des Ich-Erzählers, die komisch ist. Ayode konzentriert sich auf nur wenige Szenen, die er streckenweise auch stark umgeschrie-ben hat, um einen dramatischen Spannungsbogen aufzubauen.  Er wid-met sich ganz dem Charakter des Protagonisten, den er ausgezeichnet herausgearbeitet hat. So lässt er natürlich Oliver Tate (Craig Roberts) aus dem Off zitieren, zum anderen interpretiert er das ganze Sammelsurium der Nebenfiguren extrem nerdig. Damit übernimmt er die Sichtweise von Tate, der seine Umwelt für freakig hält, während er sich selbst als vollkommen normal betrachtet. In Wirklichkeit benimmt er sich ebenfalls exzentrisch. Allein die Szene, wie er Jordana auf seine geschwollene, selbstbewusste Art, von der er glaubt, dass sie von Reife und Bildung zeuge, verführen will, ist zum Brüllen komisch. Die Mutter wird von Sally Hawkins (HAPPY GO-LUCKY) als völlig abgespacte Hippie-Mutter gemimt.

Der Vater, mager und mit Vollbart, scheint in depressiver Umnachtung gefangen zu sein. Im Film ist er, ganz anders als im Roman, ein Tiefseeforscher. Einerseits ist das ein schöner Kontrast zu dem Astral-Prediger (Paddy Considine), der ständig was von Licht und Glückseligkeit faselt, andererseits könnte es natürlich auch eine Reminiszenz an DIE TIEFSEE-TAUCHER (Wes Andersen) sein, in dem Noah Tayler den Vladimir Wolodarsky spielte. Ein Glück läuft der Film nur mit deutschen UT. In der PV wurde er ohne gezeigt – ich fand ihn schwer zu verstehen, da Olivers Voiceover extrem schnell gesprochen und die Wörter sehr speziell sind.

 

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