Teenage Response — Teenage-Monologe

Regie: Eleni Ampelakiotou
Deutschland 2009
156 Min.

teenage-response

Zehn Minuten nach Filmbeginn sag ich mir in einem ersten übermüdeten Impuls: Nee, das hältst du nicht durch: Die Regisseurin lässt Teenager über sich erzählen — der Erzählstream bestimmt die Visualität. Ungewohnt! Als plötzlich der Abspann über die Leinwand flimmert, schaue ich verwundert auf die Uhr: Was schon zu Ende?

13 Teenager oder junge Erwachsene erzählen über ihre Gedanken, ihr Leben, über das, was sie grad am meisten beschäftigt — Sexualität, Rollenverhalten, Drogen, Eltern, Anekdoten, Arbeit, Freunde — mit einer Wahrhaftigkeit und Offenheit, die einen erstaunt. Und die Protagonisten sind nicht alle extrovertiert — es sind auch solche dabei, die Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken, die ein bisschen kryptisch und metaphorisch reden. Und es sind auch welche, die die Gesellschaft als problematisch einstufen würde. Wie der übergewichtige Dieter, der auf Drogen vor die Kamera tritt, und erzählt, dass er jetzt schon fast 40 Stunden wach ist. Er spricht über sein ADS-Syndrom und wie sie ihn mit Psychopharmaka vollstopft haben. Er wirkt depressiv. Ein anderer bekam die gleiche Diagnose — und hat einfach gelassen gesagt: »Lasst mich doch so sein wie ich bin. Ich komme gut damit zurecht. Bin eben ein bisschen lebhaft.«

TEENAGE RESPONSE ist ein Kaleidoskop völlig unterschiedlicher Persönlichkeiten. Der Film ist kein Interviewfilm: Man hört keine Fragen aus dem Off, er kommentiert und wertet nicht. Er lässt die Jugendlichen einfach reden, und sie erzählen so, wie man in ein Tagebuch schreibt, und das gleicht eher einem Monolog als einem Dialog. Das 160-minütige Projekt ist nicht voyeuristisch, sondern expressiv.

Man sieht sie sprechen oder wie sie sich das Gesprochene noch einmal anhören und mit ihrer Mimik schweigend kommentieren. Bis zu drei Drehtagen haben sie jeweils vor der Kamera gestanden und die Regisseurin hat das Substantielle gefiltert. Dazu wurden Räume mit unterschiedlichem Licht entworfen — je nach Stimmungslage des Teenagers. In diesen Räumen, die eher an eine Kunsthalle erinnern, als an Interviewsituationen — befinden sich Installationen: ein Auto, an dem ein Technikfreak rumbastelt und es besprayt, während er spricht, um es dann am Ende zu zerstören. Oder ein Plattenspieler, der eine Droge symbolisiert, die ein Performance-Künstler umtanzt. Damit zeigt er die Up and Downs einer Drogenkarriere.

TEENAGE-RESPONSE ist einer der ungewöhnlichen Filme, die man nur auf Festivals zu sehen bekommt, da er auch Kunst- und Experimentalfilm ist. Er sprengt die Grenzen des Gewohnten: Statt Interviews sehen wir Teenage-Monologe, statt kommentierendes und visualisierendes Dokumentarmaterial sehen wir Raum-Lichtinstallationen als Echo des Selbstbildes.

Auf der Berlinale nicht mehr zu sehen.

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