The Last Mimzy (Generation Kplus)

Regie: Robert Shaye
USA 2007
94 Minuten
Deutscher Kinostart: 09.08.2007

last-mimzy1.jpgKonventioneller Familienfilm der etwas intelligenteren Art von New Line Cinema. Für Kinder ab 7! Deutscher Verleihtitel: Flopp!

Noah und seine jüngere Schwester Emma finden am Strand eine merkwürdige Platine, die sich später in eigenartiges Spielzeug verwandelt, darunter das Stofftier Mimzy. Als die beiden Geschwister nachts damit spielen, erstrahlt ein mysteriöses blaues Licht, in das man hineintauchen kann. Während Noah Angst vor diesen Dingen hat, ist Emma noch völlig naiv und streckt ihren Arm hinein.

Erst viel später stellt sich heraus, dass dies ein Zeittunnel ist. Lange Zeit bleibt unklar, ob sich hinter diesen Mysterien Böses oder Gutes verbirgt — was diesen Film für Kinder fast zu einem Science-Fiction-Thriller macht. Für die Älteren aber verbírgt sich ein Subtext mit allerlei Verweisen auf Klassiker. Das weiße Stoffkaninchen Mimzy spielt auf Lewis Carrolls »Alice in Wonderland« an. Wie Alice folgt Emma ihm, um hinter die Welt mit ihren Illusionen zu schauen. Was sie vorfindet ist allerdings nicht das Wunderland, sondern eine eher bittere Wahrheit (»Alice hinter den Spiegeln«). Darin unterscheidet sich »The Last Mimzy« von Spielbergs deutlich harmloseren »E.T.« Allerdings erreicht Shayes Produktion bei weitem nicht die Düsternis wie bei »Alice in Wonderland«. Wie bei »Alice« können die Geschwister plötzlich die Tiere verstehen und ihnen so manches Geheimnis entlocken. Dabei greift der Regisseur zu einem effektiven Mittel: Wir können sie nicht verstehen und hören nur merkwürdig bedrohliche Geräusche, die an »Die Körperfresser kommen« erinnern.

Anspielungen auf die USA der Gegenwart sind unübersehbar: Als die Erwachsenen entdecken, dass mit den Kindern etwas nicht stimmt, sie von etwas Fremden infiziert sind, stürmt das FBI ähnlich wie bei »E.T.« das Haus. Nur wird dies eine Spur deutlicher thematisiert: Die Methoden — Krisenstab, Laboruntersuchungen, Überwachungskameras, Videoaufzeichnungen — verweisen eher an einen Antiterrorkampf. Als Emma zu Beginn in die Schule kommt, schlägt der Metalldetektor (Amokläufe) an, weil sie eine Zahnspange trägt. Die »Botschaft« von »Last Mimzy« wird auf der kindlichen Ebene sehr allgemein gehalten: Die Menschheit ist dann bedroht ist, wenn das Mitgefühl stirbt.

In Verbindung mit dem Subtext für die Liga der Erwachsenen, kann man soweit gehen, »The Last Minzy« als Gesellschaftskritik zu lesen: Versuche das Fremde zu verstehen, bevor Du es platt machst — ansonsten stirbt die Menschheit. Oder anders formuliert: Eine Demokratie muss das Fremde anhören, ansonsten stirbt sie und mit ihr das Menschliche wie z.B. Mitgefühl und Toleranz. Was die deutsche Verleihfirma (Warner Brothers) angeht: Shame on you! Der deutsche Verleihtitel »Mimzy — Meine Freundin aus der Zukunft« hört sich nicht nur besch* an, sondern verrät auch noch die Hälfte. Gerade das Nichtwissen über der Herkunft Mimzys macht aber den Thrill-Effekt dieses Films aus :-(((

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