The Proposition

Regie: John Hillcoat
Australien 2005
DVD Deutschland: Mai 2007

 

Kurzbeschreibung: moderner Western über die »Zivilisierung« Australiens, der es trotz Starbesetzung nicht in die Kinos geschafft hat (Wer sieht sich heute noch Western an?).

Story: Capt. Stanley (Ray Winstone) gibt dem Outlaw Charlie Burns neun Tage Zeit, um ihm seinen Bruder, den noch größeren Outlaw Arthur Burns, zu liefern. Für den Fall, dass er es nicht schafft, soll der Jüngste der Burnsclique, der 14jährige Mike, zu Weihnachten öffentlich hingerichtet werden. Die Clique ist verantwortlich für die brutalen Morde auf der Hopkins-Farm und für den Sheriff ist klar, dass Arthur der eigentliche Drahtzieher war.

»The Proposition« ist ein Western, der sich zwar an die strengen Genreregeln hält (typisches Personage, Thema), andererseits aber versucht, dieses totgesagte Genre zu modernisieren. So gibt es den richig richtig bösen Outlaw und den guten Outlaw, der den guten Sheriff unterstützt. Letzterer wiederum will das Land zivilisieren und hat auch eine blass-vornehme Frau (Emily Watson) mitgebracht, die die Zivilisiertheit mit Hut, Körbchen und ihrem moralischen Auftreten schlechthin verkörpert. Auch ein Kopfgeldjäger (John Hurt) schwirrt zwischen den Fronten herum. Neu ist, dass neben der klassischen Zivilisationsthematik des Westerngenres eine zweite Ebene hinzugefügt wird: In einer Szene werden verhaftete Aborigines gezeigt, die von den Kolonialisten gefragt werden, was sie hinter den Bergen zu suchen haben. Diese arrogante britische Haltung spielt auf die »Zivilisierung« Australiens an. Diese erscheint somit in einem sehr zwiespältigen Licht: Einerseits als Ende eines gesetzlosen Zustandes, andererseits als blutige Ausrottung der Aborigines — man erfährt später von der Erschießung der Gefangenen. Modern, wenn auch nicht neu (Sam Peckinpah), ist die relativ blutige, wenn auch nicht exessive, Gewaltdarstellung und die realitätsnahe Inszenierung der rauhen Welt am Ausgang des 19. Jahrhunderts: Statt gebügelter, grellbunter Hemden und Kurzhaarschnitte sind schmutzige ausgemergelte Körper und fettige lange Haare an der Tagesordnung. Die in goldroten Farben gehaltenen Naturlandschaften (passend zu Australiens Wüsten) werden durch den experimentell-meditativen Soundtrack von Nick Cave, der übrigens auch das Drehbuch geschrieben hat, in ihrer Sinnlichkeit unterstützt. »The Proposition« bewegt sich somit irgendwo zwischen den Italowestern eines Sergio Leones wie (»Spiel mir das Lied vom Tod«), den blutrünstigen Streifen eines Sam Peckinpahs (»The Wild Bunch«) und den neueren Erweckungsversuchen wie Ang Lees »Ride with the Devil«.
Die DVD ist ohne Extras.

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