The Tracey Fragments (Panorama)

Experimentierfreudige, depressive Coming-to-Age-Geschichte mit Ellen Page.

Regie: Bruce McDonald
Kanada 2007
80 Minuten
D: Ellen Page
10.2. , 17.00 Uhr, Cubix
13.2. , 20.30 Uhr, Cubix

 

Der Regisseur Bruce McDonald verfilmt das Buch von Maureen Medved mit einer ungewöhnlichen Splittscreentechnik. Diese soll der Verwirrtheit und Zerrissenheit der Coming-to-Age-Heldin — Ellen Page (Hard Candy) mal wieder als aufmüpfiger Teenager — gerecht werden.

Die 15jährige Tracey (Ellen Page) ist ein depressiver Teenager, der mit seiner Umwelt nicht klar kommt – wie das wohl bei jedem halbwegs intelligenten Pubertierenden der Fall ist. Nur kommen bei ihr noch einige Schicksalsschläge hinzu: Z.B. das Verschwinden ihres Bruders, den sie vorher hypnotisiert hat – so, dass er glaubt, er wäre ein Hund. Sie haut von ihrem deprimierenden Elternhaus ab und lebt dann bei einem heruntergekommenen Stricher. In der Schule hat Tracey auch nur Stress mit den vollbusigen, größeren Schlampen. Als ein Neuer in die Klasse kommt, verliebt sie sich in ihn. Am Ende des Films wird das Verschwinden ihres Bruders aufgelöst.

In »The Tracey Fragments« passiert auf der Handlungsebene nicht viel. Der Film umkreist ohne Chronologie und ohne Unterscheidung zwischen Traum und Realität immer wieder die gleichen Ereignisse: Stress mit Eltern, Verschwinden des Bruders, Verliebtsein, Abhauen, Stricherwohnung, Verschwinden des Bruders, Stress mit Eltern, Rockstar werden, Verliebtsein, Stress mit Eltern, Traum vom Rockstar-Dasein, Schulstress – die ganze Palette, die man so durchmachen muss. Jedoch reicht dem Regisseur McDonald dies nicht, um die ganze Desillusioniertheit eines Teenagers visuell zu verarbeiten.

Mc Donald benutzt eine Extrem-Variante der Splittscreen-Technik : Eine Szene wird in sekundenversetzte Augenblicke oder in verschiedene Perspektiven eines Raumes, die man normalerweise hintereinander montiert, zerhackt und der Zuschauer muss permanent verschiedene Bilder gleichzeitig in sich aufnehmen. Ziel dieser experimentellen Ästhetik: die Perspektive der Hauptfigur Tracey: Paranoia, Verwirrtheit, Ziellosigkeit. Der Screen wirkt so, wie einer Szene, die von verschiedenen Überwachungskameras aufgenommen wurde. Die Farben sind verwaschen und düster. Die Protagonistin Tracey erinnerte mich schon nach den ersten paar Minuten an Jodie Rimmer von »In my Father’s Den« (Neuseeland, 2004) – komischerweise tauchte kurz nach dieser Wahrnehmung Patti Smith »Horses« auf — wie auch »In my Fathers’s Den«. Das zerstörte die Originalität dieses Films für mich etwas. Zu dieser Splittscreen-Technik: Es ist schwer zu sagen, ob dieser Effekt seine Wirkung erzielt hat, wenn man die herkömmliche Variante nicht kennt. So richtig verwirrt hat mich eigentlich nur die Handlung, die völlig willkürlich zusammengesetzt schien: Setzt man Traceys Fragmente richtig zusammen, ergibt sich eventuell ein Bild von ihrer Lage, die Tracey selbst jedoch nicht verstehen kann. Sie entwickelt sich nicht während des Films, sondern erzählt nur – über ihre Nöte und alles hat für sie keinen Zusammenhang. Es gibt ein paar klare Momente in ihrem Leben — das sind exakt drei: Dann wird die Splittscreentechnik aufgehoben und wir sehen ein einziges Bild.

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