Transsiberian (FFF) — Mord im Wodkaexpress

Regie: Brad Anderson
GB, D, Spanien 2008
111 Min.
Deutscher Kinostart: 11.12.2008

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Der amerikanische Regisseur Brad Anderson (DER MASCHINIST, SP, 2004) schafft mit seinem neuen Film Transsiberian eine Mischung aus Suspense-Thriller und Railmovie in der Transsibirischen Eisenbahn. Der mittelmäßig spannende Film besticht vor allem durch imposante Kamerafahrten durch verschneite russische Landschaften, fantastisch fotografierte Bilder, originale Schauplätze und favorisierte Schauspieler.

Dass die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn keine harmlose Abenteuerreise wird, weiß man bereits von Anfang an. Sibirische Züge wecken Assoziationen von Mord und Verbrechen, Schuld und Sühne.

So passiert es dann auch: In der Anfangsszene ermittelt der russische Polizist Grinko (Ben Kingsley) in einem Mordfall. Dabei geht es um Drogen. Ungefähr zur gleichen Zeit macht sich das amerikanische Paar Jessie (Emily Mortimer) und Ray (Woody Harrelson), nach einem kirchlich-humanitären Einsatz in China, via transsibirische Eisenbahn auf den Weg in die Heimat. Im Zug befreunden sich die beiden mit einem anderen jungen Paar, den Rucksacktouristen Abby (Kate Mara) und Carlos (Eduardo Noriega). Wer hat wohl die Drogen?

Da Jessie und Ray eine kleine Beziehungskrise haben, kommt es zu einer heiklen Begegnung zwischen Jessie und Carlos. Nach einem kurzen Halt auf einem Bahnhof irgendwo im tiefsten Russland, wo Ray und Carlos gemeinsam die Umgebung erkunden, ist Ray plötzlich verschwunden. Und genau jetzt, wo es eigentlich so richtig spannend werden sollte, werden die Schwachstellen des Films offensichtlich: Auch wenn wir den zweifelhaften Carlos wiederholt in einer Einstellung mit einer Eisenstange gesehen haben, denken wir nicht, was wir denken sollen — nämlich, dass Carlos den ahnungslosen Ray für ein Liebesabenteuer mit Jessie kaltblütig ermordet hat. Zu eindeutig und zu klischeehaft wird hier mit der Erwartung des Zuschauers gespielt.

Hinzu kommen weitere bekannte Schablonen für eine konventionelle Thriller-Dramaturgie und einige Übertreibungen. Beispielsweise sind die Guten ja nicht immer so unschuldig, wie sie aussehen. Im Film können wir diesen Grundsatz bei der Figur der Jessie beobachten. Für den Zuschauer findet hier allerdings keine klare Wendung statt, sodass sich seine Sympathien auch nicht entscheidend verändern. Obwohl sich Jessie schuldig macht, sowohl in sexueller als auch in krimineller Hinsicht, bleibt eine positive Einstellung beim Zuschauer bestehen, da ihre Handlungen schicksalhaft und fast notwendig erscheinen (vielleicht auch übertrieben hysterisch).

Respektable Schauspieler trösten nicht über die stereotypen Charaktere hinweg. Ray ist der typische Philanthrop, ein Argloser im Ausland, der sich auch mit den russischen Reisenden versteht, Wodka trinkt und feiert. Im Gegensatz dazu ist Carlos der undurchsichtige südländische Frauenvernaschertyp mit krimineller Energie. Seine Freundin Abby, ist eine melancholische Avril Lavigne, die sich eigentlich nach einem Haus auf dem Land sehnt. Der russische Polizist Grinko ist natürlich korrupt und selber im Netz der russischen Drogenmafia verstrickt und so weiter. Da hilft es auch nicht, dass sich der Film seiner eigenen Klischees von Russland durchaus bewusst ist. Wer am Ende die ganze Kohle kriegt, wissen wir übrigens spätestens seit Bang Boom Bang.

FFF Berlin (15.8., CINEMAXX 7, 19.15 h); FFF Hamburg (16.8., CINEMAXX 3, 19.00 h)
FFF Dortmund (22.8., CINESTAR 9, 19.15 h); FFF Köln (27.8., CINEDOM 9, 19.15 h)
FFF Frankfurt (28.8., METROPOLIS 6, 19.15 h); FFF Nürnberg (31.8., CINECITTA‹ 3, 19.15 h)
FFF Stuttgart (6.9., METROPOL 1, 19.15 h); FFF München (7.9., CINEMA, 21.30 h)
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