FILMKRITIK: TRUE GRIT — Hommage an Spätwesternhelden und John Wayne

Regie: Joel & Ethan Coen
USA 2010
111 Minuten
Kinostart: 24.2.2011


Die junge Mattie Ross will Rache für den Mord ihres Vaters und heuert den versoffenen Marshall Rooster Cogburn an. Im Original des Spätwestern von 1969 mimt John Wayne den alten Westernhelden. Das passt, denn inzwischen gibt es schon längst Clint Eastwood im viel cooleren Italowestern. Das Remake der Coen-Bruder gehört zwar bei weitem nicht zu ihren besten Stücken, ist aber eine nette komödiantische Würdigung des alternden, gebrochenen Westernhelden.
 

True Grit“ heißt übersetzt  „echter Schneid“ und der wird dem einäugigen Rooster Cogburn nachgesagt. Deshalb wählt ihn Mattie für die Verfolgung des Mörders Tom Chaney aus. Die Leute aber wissen ebenfalls von übermäßiger Trunksucht und seinem ungehobelten Benehmen zu berichten. Im Gegensatz zum noch moderaten John Wayne ist der Marshall, den Jeff Bridges spielt, wirklich ein übles und versoffenes Aas. Einmal als sie schon unterwegs sind, ist er so voll, dass er nicht mal richtig vom Pferd steigen kann. Er will aber trotzdem unbedingt beweisen, dass er noch treffsicher schießt. Zu den beiden gesellt sich der Kopfgeldjager Le Boeuf (Matt Damon), der ebenfalls den Auftrag hat, Chaney zu fangen. Er soll in Texas hängen, weil er dort einen Senator erschossen hat. Mattie aber will Vergeltung für den Mord an ihrem Vater, deshalb soll er in Charles Porties hängen. Le Boeuf gelingt es zunächst, Rooster Cogburn auf seine Seite zu ziehen, da er viel mehr Geld bietet als Mattie. Sie ist abgebrüht und ziemlich frech – bei den Coens noch stärker, weil Hailee Steinfeld viel kindlicher ist als die Mattie im Original. Immer wenn sie in ihrer kindlichen Unwissenheit nicht weiter weiß, droht sie mit ihrem Anwalt.

Die Coens haben das 128minutige Original, das gewissermaßen auch schon eine ironische Hommage an den späten Westernhelden ist, gestrafft. In DER MARSHALL reiten die Figuren durch eine idyllische Sommerlandschaft, während in TRUE GRIT grauer Winter herrscht. Die fade und blasse Umgebung kündigt das baldige Sterben des klassischen Western an. In gewisser Weise gleicht Cogburn dem Jesse James, wie er von Brad Pitt gespielt wird, nur ist er keineswegs schwermütig und sondern ein versoffener und komischer, aber vollkommen abgeklärter alter Kauz, der Mattie unterwegs lustige Anekdoten aus seinen gescheiterten Ehen erzählt. Die Coens haben den Stoff noch mehr in eine Komödie verwandelt – doch die Zeit von Cogburn ist abgelaufen. Genauso wie die von John Wayne. Erst am Ende, wenn die Coen-Bruder sich von der Vorlage lösen und Jeff Bridges nicht mehr Cogburn, sondern John Wayne spielt, laufen sie zur gewohnten Klasse auf. In der vorletzten Szene, Mattie wurde von einer Klapperschlange gebissen, reitet Cogburn in einer surrealistischen Szene wie der Teufel durch die nächtliche Prärie zu einem Arzt. Gefilmt wurde aus der Perspektive von der über dem Pferd hangenden Mattie – zuerst wird das Pony immer schwacher und Jeff Bridges als Wayne gibt ihm den Gnadenstoß. Er trägt sie zu Fuß weiter und weiter – und wird immer schwächer. Es ist die letzte Szene, in der wir ihn sehen. Für die Rolle des Marshall Rooster Cogburn bekam Wayne den einzigen regulären Oscar. Zum Schluss reist die inzwischen ältere Mattie noch einmal in die Stadt, um ihn noch mal zu treffen, doch es ist zu spät – Cogburn verstirbt, genau wie Wayne zehn Jahre nach DER MARSHALL, mitten im Sommer.

 


 

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