White Lightnin — Outlaw vs. Teufel

Regie: Dominic Murphy
GB/USA/Kroatien 2009
90 Min.

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Der Teufel lässt ihn einfach nicht los — in der Interpretation des Werbefilmers Murphy. (Foto: Berlinale 09)

»Ther´s tha devil movin´in my blood«, muss Jesco White im breiten Slang immer wieder feststellen. Inspiriert von der »wahren« Geschichte des steppenden Outlaws, einer Lokallegende in den Appalachen, zeigt Dominic Murphy in grobkörnigen und ausgeblichenen Bildern das Leben der Underdogs Amerikas in seiner erbärmlichsten Variante. Mehr ästhetische Spielerei als Biopic.

Aus dem Off erzählt uns Jesco White seine Kindheitserinnerungen oder das was davon übrig blieb. Denn die Flashbacks werden immer wieder durch harte Blacks-Screens durchbrochen. Als ihn sein Vater dabei erwischt, wie sich Jesco Benzin spritzt, wandert er ab in die Besserungsanstalt, wo er den größten Teil seiner Kindheit und Jugend verbringen wird.

Aber nicht das Leben in den Tracks, in denen absurde zahnlose und verfilzte Gestalten hausen, die größere Ähnlichkeiten mit Zombies haben als mit Menschen, ist verantwortlich für Jescos Versuche, der Realität zu entfliehen — nein, es ist »tha devil«, der ihn immer wieder in Versuchung führt. Whites Familie, vor allem sein steppender Vater, ist extrem gottesfürchtig.

Irgendwann reicht es Donald Ray White: Er bringt seinem Sohn das Steppen bei, um ihm vor dem Bösen zu bewahren. Mit Erfolg: Die Abende, wo alle zerlumpten Kerle vor den Tracks zur wilden Banjo-Musik tanzten, waren in Jescos lückenhafter Erinnerung die schönsten. Doch nach seinem ersten Schuss, den Stoff schenkt ihm ein dreckiger Black-Metal-Biker, dreht Jesco durch und braust mit dem Geländewagen tagelang durch die Wälder, bis ihn die Polizei in die Irrenanstalt bringt.

Dort muss er später erfahren, dass sein Vater sinnlos ermordet wurde. Trotzdem scheint Jesco sein Leben endlich in den Griff zu bekommen, insbesondere nach dem er »Cilla« kennenlernt, eine doppelt so alte und schon ein wenig verwelkte Frau, die mit dem tanzenden Jesco bald durch die Bars tingelt. Doch als sie mal mit zwei Schwarzen flirtet, ist es vorbei und »tha devil« hat White wieder im Griff. Als er die Mörder seines Vaters trifft, tickt er völlig aus.

Jesco White hat einen Wikipediaeintrag und ist in den USA offenbar relativ bekannt. Sein Leben wurde in verschiedenen Dokus mehrfach verfilmt, er hatte einen Gastauftritt bei »Roseanne« und ist insbesondere bei den verschiedensten Musikern sehr beliebt. Dominic Murphy interessiert sich aber nicht für die besondere Tanztechnik der Whites, eine Mischung aus Steptanz und Tänzen der Eingeborenen, sondern für das exzessiv destruktive Element in Jescos Leben. Und bei einem Spielfilmdebütanten, der aus der Werbebranche kommt, drängt sich dann schnell der Verdacht auf, dass es Murphy nur um ästhetische Spielerei und Schockeffekte ging: Er spielt mit dem Filmmaterial, das er offenbar durch Bleichbäder geschickt hat. Die Farbigkeit ist so stark zurückgenommen, dass der Film fast schon schwarzweiß ist. Zudem verwendete Murphy verschiedene Filter und unterlegte alles mit einem Blues- und Death-Metal-Soundtrack.

Besonders wichtig aber war es für ihn, mit Gewaltdarstellungen zu experimentieren — wobei es ihm offenbar darum ging, Wege zu finden, wie man Gewalt auch für Minderjährige durch die Zensur bekommt. Am Ende wird der Mord an Donald Ray White, den Mord an dem Mörder von Donald Ray White und Jescos Selbstkanibalismus (der einzige Weg, um »tha devil« zu besiegen) gezeigt. Die Kamera nimmt so ziemlich jede Schrägelage ein, die man sich vorstellen kann, und Murphy benutzt verschiedene Grade von Unschärfen, so dass man im Prinzip gar nichts sieht, aber trotzdem das Schlimmste erwartet. Für Kamera-Studenten, die Horrorfilme oder dergleichen drehen wollen, ist das vielleicht ein ganz interessanter Anschauungsunterricht. Aber ansonsten ist die Story relativ hohl und hat mit Jescos Whites Leben so viel zu tun wie Die Doors mit den Wildecker Herzbuben.

13.2. 22.30, CinemaxX 7
14.2. 20.15, CineStar 3
15.2. 14.30, Cubix 9

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Ein Kommentar zu White Lightnin — Outlaw vs. Teufel

  1. Playpopmobil sagt:

    muss gestehen, dass ich den Soundtrack -Hasil Adkins, in Realität ein Nachbar von Jesco White, BRMC usw.- viel spannender fand als den Film…

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